Werbung

Werbung

Werbung

Bühnenautor Flatow wird 90

„Ein Mann für alle Fälle“ geht in Rente

© Die Berliner Literaturkritik, 05.01.10

BERLIN (BLK) – „Den Boulevard und sein Theater wird es immer geben, zu Hause lacht doch keiner!“ Der Berliner Bühnenautor Curth Flatow ist auch mit seinen 90 Jahren, die er am 9. Januar vollendet, felsenfest davon überzeugt, dass es das unterhaltsame Theater immer geben wird, auch wenn die „echten Bühnen“ am Boulevard immer weniger werden. „Der Kudamm ist doch kein Kudamm mehr, wenn es dort keine Boulevardtheater mehr gibt“, beharrt Flatow, der zu den lebenden Legenden unter den Boulevardautoren im deutschsprachigen Raum gehört, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. So gab er denn auch seiner Autobiografie den Titel „Am Kurfürstendamm fing’s an“.

Flatow weiß, wovon er spricht, hat er doch für diese Bühnen oft große Erfolge geschrieben, die auch in anderen Theatern der Republik gespielt wurden und selbst im Fernsehen liefen. Etwa 20 Stücke stammen aus seiner Feder oder wurden von ihm mitgeschrieben. Jetzt ist damit langsam Schluss: „Mit 90 schreibt man keine Theaterstücke mehr.“ Aber Jahrzehnte lang galt für den „Theaterhasen von Fleisch und Blut“, der nun doch etwas mehr auf seine Gesundheit achten muss: „Bühnenluft schnuppern und aufgeregt sein und während der Vorstellung hinter der Bühne stehen, das ist einmalig, das ist Lebenselixier für uns Theatermenschen.“

Und die „echte Theaterluft“ sei noch immer dem Fernsehen vorzuziehen. „Theater bleibt etwas Bezauberndes. Jeder Abend ist anders, mit einem anderen Publikum, das jedes Mal anders lacht oder weint, wie im richtigen Leben.“ Dafür wird es immer ein Publikum geben, da ist sich Flatow ganz sicher. Fragt sich nur, wer künftig solche Stücke schreibt, die den Alltag in heiter-ironischer Weise auf die Bühne bringen und dabei so manches echte gute „Rollenfutter“ für Schauspieler bieten.

Der Altmeister des Boulevards hat Generationen von Theaterbesuchern und Fernsehzuschauern Spaß und Vergnügen bereitet. Zu seinen größten Erfolgen und wahren „Bühnenrennern“ gehört das 1960 uraufgeführte und mit Horst Pillau geschriebene Volksstück „Das Fenster zum Flur“ mit Rudolf Platte, in dem Inge Meysel als resolute Berliner Portiersfrau ihren späteren Ruf als „Mutter der Nation“ begründete. Das Berliner Volksstück gehört mit mehr als 120 Inszenierungen zu den erfolgreichsten Bühnenstücken der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Andere mit leichter Hand geschriebene Renner wurden Stücke wie „Vater einer Tochter“ und „Der Mann, der sich nicht traut“ mit Georg Thomalla, ein Name der wie Meysel eng mit Flatow verbunden ist.

Aber auch das Fernsehen wollte nach den ersten Theatererfolgen auf Flatow nicht verzichten, der für den Bildschirm erfolgreiche Serien wie „Ein Mann für alle Fälle“ mit Harald Juhnke oder „Ich heirate eine Familie“ mit Peter Weck geschrieben hat. Sie hatten Einschaltquoten bis zu 46 Prozent.

Außerdem schrieb er zahlreiche Liedertexte, unter anderem für mehr als 30 Filme. Und auch für das Kabarett und den Rundfunk hat Flatow schon früh gearbeitet und vor allem in den 50er Jahren damit viel Erfolg gehabt wie zum Beispiel bei Hans Rosenthals „Rückblende“ im West-Berliner Sender RIAS. (dpa/ros)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: