Von Christine Liebl
Berühmt als Schriftsteller, berüchtigt als politische Figur – Knut Hamsun hat sich in seinem Leben einen höchst widersprüchlichen Ruf erworben. Während das literarische Werk allseits bewundert wurde – von Isaac Bashevis Singer ebenso wie von Thomas Mann –, befremdete er mit unverhohlenen Sympathien für den Nationalsozialismus. Lange Zeit galt Hamsun als Unperson. Ludwig Marcuse war einer der ersten, der fragte: „Weshalb kann man nicht einen Mann verurteilen und sein Werk schätzen?“
Am 4. August 2009 jährt sich der Geburtstag des Nobelpreisträgers zum 150. Mal. Aus diesem Anlaß erschien vor kurzem in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur die Neuübersetzung eines seiner wichtigsten Werke: PAN. Roman
Der junge Leutnant Glahn zieht sich in eine einsame Waldhütte zurück, um dort fernab von moderner Zivilisation und gesellschaftlichen Zwängen zu leben. Gleich dem mythischen Fruchtbarkeitsgott Pan streift er durch die Wälder des Nordlands und lebt im Einklang mit der Natur. Sein Eremitendasein findet ein jähes Ende, als ihn die Lockungen des Eros ereilen. Die unergründliche Edvarda, Tochter des Fjordbarons, wird Glahns schicksalhafte Leidenschaft. So sehr sich beide lieben – sie finden nicht zueinander. Als auch noch zwei Rivalen auf den Plan treten, beginnen Obsession und Eifersucht ihr zerstörerisches Werk. Suggestiv beschwört der Roman die die geheimnisvolle Aura der langen Sommernächte im Nordland. Raffiniert in Szene gesetzte Erotik, lyrische Sprache und die subtile Psychologie, mit der die Naturerfahrung des Außenseiters Glahn geschildert wird, machen Pan zu einem Juwel der Fin-de-Siècle-Dichtung. „…eines der frühen Meisterwerke Hamsuns.“ Daniel Kehlmann, FAS Ebenfalls bei Manesse lieferbar: DIE KÖNIGIN VON SABA. Erzählungen
Die frühen Burlesken und Satiren des „Old King Cnut“ (James Joyce über Knut Hamsun) sprühen von Jovialität, Selbstironie und schwarzem Humor. Das Welttheater wird zur Provinzfarce. Die Hamsunschen Helden schwanken zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Größenwahn, zwischen unfreiwilliger Komik und verfehlter Tragik.
Die Geschichten, Erzählungen und Skizzen aus Hamsuns erster Lebenshälfte spiegeln zumeist autobiographische Erfahrungen des weitgereisten Erzählers, z.B. aus den Jahren in Chicago, wo er als Straßenbahnschaffner arbeitete („Frauensieg“), oder aus seiner schriftstellerischen Frühphase, in der er noch nicht die weltbekannte Persönlichkeit war („Dialog eines Dichters mit einer Fliege“ oder „Auf Tournee“).
Knut Hamsun (1859-1952), Sohn eines Schneiders und Landpächters, wuchs zweihundert Kilometer nördlich des Polarkreises auf. Ausgedehnte Reisen führten ihn bis nach Amerika und in den Orient, ehe er sich vor dem Ersten Weltkrieg schließlich in seiner norwegischen Heimat niederließ. 1920 erhielt der den Nobelpreis für Literatur.