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Opernfestspiele in München eröffnet

Die Eröffnungsgala hinterlässt zwiespältigen Eindruck

© Die Berliner Literaturkritik, 01.07.09

Von Paul Winterer

MÜNCHEN (BLK) - Nein – zumindest gesellschaftlich können sich die Münchner Opernfestspiele am Max-Joseph-Platz nie und nimmer mit denen vom Grünen Hügel in Bayreuth messen. Während das Wagner-Festival Jahr für Jahr Prominenz aus aller Welt anlockt und zum Stelldichein auch der Polit-Prominenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der Spitze wird, bleiben die Opernfans an der Isar lieber unter sich. Zwar wurde zur Eröffnungsgala mit Giuseppe Verdis Oper „Aida“ am Dienstagabend ein roter Teppich auf der Treppe zum Nationaltheater ausgerollt. Aber es waren nur wenig bekannte Persönlichkeiten, die ihn beschritten – allenfalls B-Promis, wie es in der Branche heißt.

Wenigstens für ein bisschen Glanz sorgte die Anwesenheit von Franz Herzog von Bayern. Der standesgemäß in der Königsloge sitzende Chef der Wittelsbacher wäre der König der Bayern, gäbe es die Monarchie im Freistaat noch. Der bürgerliche erste Mann des Freistaats, Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), indessen passte. Obwohl er mit Ehefrau Karin zu einem Staatsempfang im Anschluss an die Opernvorstellung geladen hatte, ließ er sich ohne Angabe von Gründen von Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) vertreten. „Den kennt doch keiner“, meinte ein Opernfan, als Generalmusikdirektor Kent Nagano, begleitet von seiner japanischen Frau im Kimono, den Seehofer-„Ersatz“ vor dem Nationaltheater formvollendet willkommen hieß.

Vielleicht lag es am schwül-warmen Wetter, das München seit Tagen dominiert, doch auch drinnen wollte sich – Eröffnungsgala hin oder her – so recht keine festliche Stimmung breit machen. Schon als der Dirigent des Abends, Daniele Gatti, den Orchestergraben betrat, fiel der Beifall des Festspielpublikums dürftig aus. Und bei der ersten Massenszene mit dem hervorragend disponierten Opernchor schallte der erste laute Buh-Ruf durch den Zuschauerraum. Er galt der nüchtern-modernistischen Neuinszenierung von Christof Nel, die schon bei der Premiere vor drei Wochen beim Münchner Publikum durchgefallen war.

Von den Solisten heimste die junge Kristin Lewis als nubische Prinzessin „Aida“ noch den meisten Beifall ein, obwohl ihr trotz eines strahlenden, dramatischen Soprans bei weitem nicht alles gelang. Mancher Spitzenton der US-Amerikanerin war nur angedeutet, in der Mittellage klingt die Stimme leicht kehlig. Souverän meisterte die Russin Ekaterina Gubanova ihre Partie. Stimmlich voll auf der Höhe verlieh sie der Rolle als „Aidas“ Gegenspielerin und Pharaonentochter Amneris eine zutiefst glaubwürdige Intensität.

Salvatore Licitra als ägyptischer Heeresführer Radamès kommt indes zu leichtfüßig daher und hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Mal gelang ihm eine Passage wunderschön. Dann wieder wies sein Tenor hörbar Schwächen auf, Spitzentöne kamen verhaucht über die Bühne. Garanten einer dennoch soliden Gesamtinterpretation waren Chor und Orchester der Staatsoper, die dem Dirigenten exakt folgten. Nach drei Stunden überwog höflicher Beifall der ermüdeten Festspiel-Besucher. Begeisterte Bravo-Rufe, wie man sie von vielen Abenden im Nationaltheater kennt, wollten sich an diesem Abend kaum einstellen.

Gespannt wartet man nun an der Isar auf das Ereignis der Münchner Opernfestspiele schlechthin, die Premiere des „Lohengrin“ an diesem Sonntag (5. Juli). Vor allem sind viele Fans der Musik von Richard Wagner neugierig, wie der junge deutsche Heldentenor Jonas Kaufmann sein Rollendebüt in der Titelpartie bewältigt. Vielleicht gelingt es dem nach Bayreuth strebenden Frauenschwarm ja, doch ein wenig vom Glanz des Grünen Hügels ins Nationaltheater zu schmettern.


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