Von Britta Schmeis
Partner und Kinder von Promis haben es schwer. Das gilt besonders, wenn der berühmte Ehemann Karlheinz Böhm heißt. Der brauchte selbst jahrelang, um sich von seiner Rolle als Kaiser Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen abzugrenzen. Inzwischen ist er vor allem für seinen unermüdlichen Einsatz für Äthiopien und als Gründer der Stiftung Menschen für Menschen bekannt. Almaz Böhm kennen viele bislang vor allem als die Frau an der Seite Karlheinz Böhms. Dabei ist sie selbst eine bemerkenswerte, selbstbewusste, moderne Frau. Ihre Geschichte hat die heute 44-Jährige der ehemaligen „Bunte“-Chefredakteurin Beate Wedekind erzählt. Unter dem Titel „Kein Weg zu weit – Mein Leben zwischen Afrika und Europa“ ist sie nun erschienen.
Das Buch sei noch keine Biographie, sondern ein Zwischenbericht aus einem vollen, erfüllten Leben einer Frau, die noch einen langen Weg vor sich hat, schreibt Wedekind in ihrem Vorwort. Und tatsächlich ist „Kein Weg zu weit“ die eindringliche Geschichte einer privilegierten Äthiopierin, die trotz politischer Unruhen eine glückliche Kindheit verlebt, den Beruf einer diplomierten Landwirtschaftsexpertin erlernt, der sie erfüllt, und dabei die Liebe ihres Lebens kennenlernt. Es ist auch die Geschichte einer Frau, die durch und mit ihrem Mann Europa kennenlernt und ihre Heimat Äthiopien neu entdeckt. Und so kitschig es auch klingen mag, ist es auch die Geschichte einer ungewöhnlichen und großen Liebe zwischen einer jungen Frau aus der Dritten Welt und einem 36 Jahre älteren Mann, der noch dazu ein Filmstar war.
Eindringlich schreibt die 1964 geborene Almaz von ihrer behüteten Kindheit, dem jähen Ende dieser Geborgenheit durch den Krieg Äthiopiens mit Somalia.
Eindringlich schreibt die 1964 geborene Almaz von ihrer behüteten Kindheit, dem jähen Ende dieser Geborgenheit durch den Krieg Äthiopiens mit Somalia, ihrem Studium und ihren Schwierigkeiten, sich in dem patriarchalisch geprägten Äthiopien durchzusetzen. Besonders von ihrer Kindheit und ihrer Familie schreibt sie in einem sehr sanften Ton, dass die ein oder andere Erinnerung stark geschönt scheint. Doch sie beschreibt auch den Krieg, das Elend und ihre ganz persönlichen Problemen, als junge Frau, die sich in Europa plötzlich in der völlig fremden Welt ihres sehr berühmten Mannes wiederfindet.
„Kein Weg zu weit“, mit zahlreichen Fotos illustriert und mit äthiopischen Rezepten sowie Kontaktadressen von Menschen für Menschen im Anhang, ist tatsächlich mehr als die Biographie einer „Ehefrau von...“. Es ist ein Buch über eine Frau, der stets bewusst ist, dass es das Schicksal mit ihr bisher unerwartet gut meinte, und die dieses Glück weitergibt, indem sie sich für ihre Landsleute engagiert und dabei ihre eigenen Erfahrungen einbringt und das Lebenswerk ihres Mannes nach und nach übernimmt. Dass eine Zeitung die ersten Fotos des ungewöhnlichen Paares mit „Karlheinz Böhm und seine schwarze Sissi“ überschrieb, belustigt sie noch heute – und macht all die Beschreibungen so sympathisch und lebensnah.