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Die Renner für das „Unwort“ 2010

© Die Berliner Literaturkritik, 27.10.10

Gespräch: Ira Schaible

FRANKFURT/MAIN (BLK) - „Alternativlos“ - der von der Bundesregierung für einige politische Entscheidungen verwendete Begriff gehört zu den Rennern bei den Vorschlägen für das „Unwort des Jahres 2010“. „Das ist das "Basta" der Merkel-Regierung“, sagte der Sprecher der unabhängigen Jury, Horst Dieter Schlosser in einem Gespräch mit der BLK in Frankfurt. Ein ähnliches Totschlagargument in der politischen Diskussion sei der auch als Unwort vorgeschlagene Begriff „unumkehrbar“ aus der Auseinandersetzung um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“. Die unabhängige Jury sucht noch bis zum 7. Januar Beispiele für sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation. Wie oft ein Begriff vorgeschlagen wird, ist für die Entscheidung der vier Wissenschaftler und zwei Journalisten allerdings unerheblich. Das „Unwort des Jahres“ wird zum 20. Mal gekürt. Hauptthemen der 400 bereits eingereichten Vorschlägen sind darüber hinaus innenpolitische Äußerungen von Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der Umgang mit Steuersündern und die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. „Es sind jetzt schon einige Renner dabei“, sagte Schlosser. Als Beispiele nannte er den unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwendeten Begriff „Brückentechnologie“ für die Atomkraft, auch das „Sparpaket“ der Bundesregierung ist unter den Einsendungen. „Westerwelles Aussagen sind eine Quelle für viele Vorschläge, man erinnere sich beispielsweise an die spätrömische Dekadenz“, sagte Schlosser. Aber auch seine Formulierung vom „anstrengungslosen Wohlstand“ sei als Unwort vorgeschlagen worden. Damit habe Westerwelle Menschen bezeichnet, „die von staatlicher Unterstützung leben (müssen)“. 2009 hieß das Unwort des Jahres „betriebsratsverseucht“, 2008 „notleidende Banken“. Andere Unwörter waren beispielsweise „freiwillige Ausreise“ (2006), „Humankapital“ (2004), „Tätervolk“ (2003), „Ich-AG“ (2002), „Gotteskrieger“ (2001) und 2000 das „Jahrhundert-Unwort“ „Menschenmaterial“. (bal/dpa)


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