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Asterix mit Ketchup

In Frankreichs Öffentlichkeit hat das erregte Debatten ausgelöst

© Die Berliner Literaturkritik, 23.08.10

Von Ralf E. Krüger

PARIS (BLK) - Ein Nationalsymbol geht fremd in Frankreich. Weder Römer noch Piraten konnten die gallischen Comic-Helden Asterix und Obelix einst aufhalten - doch nun scheint schnöder Kommerz sie bezwungen zu haben. Eine große amerikanische Fastfood-Kette hat sie als Werbehelden unter Vertrag genommen. Großflächig sieht man die streitbaren Gallier auf Anzeigen in Métro-Stationen und Zeitungen nun beim Gelage in einer der Filialen der Fleischklops-Braterei. Big Mac und Pommes statt Wildschwein und Bier - für viele Franzosen droht der Himmel einzustürzen. In Internet-Foren und Zeitungsspalten macht sich Empörung breit. „Ketchup auf dem Barte von Asterix“, titelte die große französische Zeitung „Le Figaro“.

Der gewitzte Comic-Gallier Asterix und sein knollennasiger Kumpel Obelix ließen sich in der Vergangenheit gerne von den kulinarischen Spezialitäten Lutetias verführen, wie das antike Paris zur Römerzeit genannt wurde. Und nun, bei Teutatis, geben sie sich ausgerechnet einer Ess-Kultur hin, die vielen Franzosen lange Zeit als Inbegriff aller Bedrohungen durch Globalisierung und Kultur-Imperialismus galt. Die Anzeigenkamapagne trifft daher mitten ins Herz der Franzosen, für die die Asterix-Charaktere ein Ausdruck der unbeugsamen nationalen Eigenständigkeit waren.

Besorgt werfen Kritiker der Anzeigenkampagne die Frage auf, ob der kleine streitlustige Gallier des ewigen Kampfes müde geworden oder ihm etwa der Zaubertrank ausgegangen ist. Im kollektiven Bewusstsein sind die streitbaren Gallier weiterhin fest verwurzelt - auch wenn die wohl bekannteste Comic-Figur der Welt nach Walt Disneys Mickey Maus ein wenig in die Jahre gekommen ist. Die ungestümen Underdogs, die den Kampf gegen den römischen Goliath nicht fürchten, konnten mit ihren jüngsten Abenteuern so recht keine großen Begeisterungsstürme mehr auslösen.

Seit ihrem ersten Erscheinen 1959 wurden die Asterix-Alben in mehr als hundert Sprachen übersetzt und 325 Millionen Mal verkauft. Den furchtlosen Revoluzzern wurde sogar ein Freizeit-Park gewidmet, 30 Kilometer nordöstlich von Paris. Das gallische Dorf hat selbst der Invasion von Mickey Maus widerstanden, die sich dort mit Euro Disney ebenfalls recht erfolgreich einen Vergnügungspark gegönnt hat.


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