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Auf der Suche nach Atlantis

„Atlantika. Eine detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums“ von Sergio Frau

© Die Berliner Literaturkritik, 06.03.08

 

BERLIN (BLK) – Im Parthas Verlag erscheint Sergio Fraus Buch „Atlantika. Eine detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums“.

Klappentext: Was wäre, wenn ein einziger Irrtum und ein paar darauf basierende Fehler dafür gesorgt haben, dass wir bis heute so viele Fragen unserer Vergangenheit nur unzureichend klären konnten: Warum ähnelt der genetische Code der Anatolier so frappierend dem der Sarder? Warum werden auf Sardinien bei archäologischen Ausgrabungen Fundstücke zutage gefördert, die ein kriegerisches Seevolk vermuten lassen, obwohl doch jedes Kind weiß, dass die Sarden wasserscheu sind, nicht schwimmen können und seit Tausenden Jahren nur Schafe züchten? Wo ist das Volk geblieben, das einst die rätselhaften Nuraghen (prähistorische und frühgeschichtliche Turmbauten; Anmerkung der Redaktion) baute und von dem null und nichts überliefert ist? Woher kamen eigentlich die Etrusker, die sich von den anderen Ureinwohnern Italiens so deutlich unterschieden?

Und die Fragen aller Fragen: Wo lag das sagenumwobene Atlantis? Sergio Frau hat auf all diese Fragen mögliche Antworten gefunden, indem er die Annahme, die Grenze der bekannten Welt habe in grauer Vorzeit bei Gibraltar gelegen und sei dort in der Meerenge von den Säulen des Herkules markiert worden, hinterfragt. Er berät sich mit antiken Schriftstellern, liest Hesiods, Platons und Vergils Texte unter neuen Vorgaben. Korrigiert einen Kartographenfehler, untersucht den Meeresboden und vieles mehr. Als er die Säulen versetzt in die Meerenge vor Sizilien, fügt sich bald alles in ein schlüssiges Bild.

Die UNESCO anerkennt die im Buch dargelegten Thesen von Sergio Frau.

Sergio Frau arbeitet seit nunmehr 30 Jahren als leitender Kulturredakteur bei der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“. (mar/wip)

 

Leseprobe:

© Parthas Verlag ©

Der Tag, an dem die Säulen des Herkules aus Gibraltar verschwanden

Wo erzählt wird, welch erstaunliche Prozession sich ereignete, bloß weil man aus der Meerenge jene Säulen entfernte, die andernorts die antike Welt begrenzt hatten.

Was war das? Ein Traum? Eine Halluzination? Eine Fata morgana jedenfalls nicht, denn ich habe es danach genau geprüft, wieder und wieder. Und immer noch bin ich dabei, zu überprüfen. Ich habe darüber, insgeheim, auch schon mit Weisen gesprochen, richtigen Weisen, die mir versichern, dass es möglich, denkbar, ja sogar sehr wahrscheinlich ist … Und dass so etwas bereits an vielen anderen Orten passiert sei, und deshalb... Jedenfalls geschah es vollkommen unerwartet.

Es war wie ein Blitz, ein Auflodern, die Sache eines einzigen Augenblicks, aber dergestalt, dass es dir die Augen durchbohrt, dir mit Nadeln in den Rücken sticht, dir die Knie weich werden lässt und dein Sehen verändert. Und mit diesen neuen Augen stehst du dann da, schaust und schaust, wieder und nochmals. Verzückt, benommen und wie gelähmt von dem, was sich vor deinen Augen abspielt.

Dann aber musste ich solche Mühe aufbringen, als wenn ich einen Fels auf einen Berg rollen wollte; oder wie Herkules für alle seine 12 Arbeiten zusammen, doch ohne dessen Körperbau noch Jugend; oder wie Isis, die nach den Einzelteilen ihres gevierteilten Osiris sucht, doch mangels ihrer Liebe … Bloß wegen meines verbissenen, unbändigen und eigennützigen Verlangens, es ganz genau wissen zu wollen.

Wie soll ich es beschreiben... Ich habe die Herkules-Säulen aus Gibraltar entfernt. Ich habe sie dorthin zurückversetzt, wo die Länder von Herakles-Melqart anfingen, dem Gott aller Phönizier und ihrer Meere. Ich habe sie dorthin zurückversetzt, wo laut Sabatino Moscati der Eiserne Vorhang der Antike begann, wo Hesiod seine Schwelle aus Bronze ansetzt, die den Tag von der Nacht trennt. Ich habe sie an den Kanal von Sizilien zurückversetzt: an die Bannmeile, die Trennlinie, die Grenze. Jenseits von Malta lag der weite Westen der alten Griechen; die tückischen Tiefen, die von den Karthagern und ihren Schiffen kontrolliert wurden und die jedem versperrt blieben, der kein Phönizier war.

Die Säulen aus Gibraltar entfernt und... Ein einziger Augenblick genügte: es ereignete sich das feierlichste und erhabenste Schauspiel, das man sich vorstellen kann.

Plötzlich flutet durch die Meerenge von Gibraltar und mit der starken Strömung, die zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kap fließt, unversehens die ganze erhabene Sarabande der besiegten und mit der Zeit raus in den Atlantik verbannten Mythen, in das Mittelmeer zurück.

Es ist ein reißender Strom. Unaufhaltsam: die fantastischste Prozession, der man beiwohnen kann. Hunderte von Jahren an Mythen, Ungeheuern und Helden strömen allesamt wieder herein und erobern die Stätten zurück, die einstmals nur ihnen gehörten.

Durch den antiken Zauber wird unser westliches Meer, das so gänzlich der Geschichte beraubt ist und verödet wie der Mond, wieder zum furchterregenden Meer von Baal und Kronos: Und so zeigt sich auch, dass dies die zwei Namen ein und desselben Gottes waren. Es ist dies das Meer von Herakles-Melqart, der über das gesamte Abendland herrschte. Poseidon verbreitet wieder Angst und Schrecken. Und Taifun. Und die eingekerkerten Titanen befinden sich wieder unter uns, genau hier, an der Grenze der antiken, griechischen Welt.

© Parthas Verlag©

Literaturangaben:
FRAU, SERGIO: Atlantika. Eine detektivische Untersuchung des antiken Mittelmeerraums. Parthas Verlag, Berlin 2007. 680 S., mit ca. 250 Abbildungen, 34 €.

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