Von Thomas Maier und Esteban Engel
BERLIN/FRANKFURT/MAIN (BLK) - Neuer Konzentrationsschub unter den deutschen Publikumsverlagen: Ausgerechnet der Aufbau Verlag, der noch vor knapp drei Jahren insolvent war, will sich mit dem angeschlagenen Frankfurter Eichborn Verlag zusammentun. Die Fusionsankündigung des Aufbau-Eigentümers Matthias Koch und des Eichborns-Mehrheitsaktionärs Ludwig Fresenius sorgte am Freitag (21.1.) in Berlin für eine deftige Überraschung.
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Aus Sicht der beiden mittelständischen Verlage scheint der Schritt konsequent. Beide könnten sich im Programm gut ergänzen – und möglicherweise nicht nur im Vertrieb Kosten sparen. Im immer härter werdenden Buchgeschäft werden die großen Verlage von Konzernen gestützt. Hinter Branchenführer Random House steht der Medienriese Bertelsmann, renommierte Verlage wie Rowohlt und S. Fischer gehören zu Holtzbrinck. Kleine Verlage haben gegen die mächtigen Handelsketten im Internet-Geschäft kaum noch eine Chance.
Der angekündigte Umzug von Eichborn in die neue Aufbau-Zentrale in Berlin zeigt auf jeden Fall schon, wer der Stärkere ist. Der einstige DDR-Vorzeigeverlag hat sich von der Insolvenz erholt und investiert wieder bis zu sechsstellige Summen in den Rechteerwerb neuer Titel. Dagegen hat Eichborn, der „Verlag mit der Fliege“, in der Vergangenheit durchweg hohe Verluste geschrieben.
Der Umzug bedeutet auch eine Stärkung für den Verlagsstandort Berlin - und ist ein weiterer Schlag für die Buchmesse-Stadt Frankfurt. Erst vor einem Jahr war der mit Frankfurt eng verknüpfte Suhrkamp Verlag unter großem öffentlichen Getöse vom Main an die Spree übergesiedelt.
Die beiden Verlage gaben sich am Freitag jedoch betont zurückhaltend und vorsichtig. Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Bei Eichborn müssen noch Hauptversammlung und Aufsichtsrat zustimmen. Hauptaktionär Ludwig Fresenius besitzt 75 Prozent der Anteile, der Rest ist in Streubesitz. Allerdings werden damit die Spekulationen, ob am Ende Fresenius seine ganze Beteiligung abstoßen will, nicht verstummen.
Schon jetzt steht aber fest, dass der einst 1980 von Vito von Eichborn gegründete Verlag mit seinem frechen Image nicht mehr derselbe sein wird. Das Verlagshaus, das im Rausch der New Economy im Jahr 2000 an die Börse ging, galt jahrelang als Stehaufmännchen der Branche. Unzählige Krisen wurden überlebt - darunter der Streit zwischen Mehrheitsaktionären und dem Management sowie ein abstürzender Börsenkurs.
2003 verließ Walter Moers („Käpt'n Blaubär“, „Das kleine Arschloch“), der erfolgreichste Autor, den Verlag. Hans Magnus Enzensberger verabschiedete sich 2004 aus der von ihm bei Eichborn gegründeten renommierten „Anderen Bibliothek“. Und der Ableger in Berlin mutierte zum Galiani Verlag, in dem jetzt alte Eichborn-Bestsellerautoren wie Karen Duve publizieren.
Nach Millionenverlusten sollte Eichborn 2008 unter dem neuen Vorstand Stephan Gallenkamp schlanker werden. Personal und die Zahl der Titel wurden reduziert. Derzeit hat der Verlag noch 50 Beschäftigte. 2009 wies er aber weiterhin einen Verlust von 1,4 Millionen Euro aus. Für 2010 gibt es offiziell noch keine Zahlen. Im vergangenen Jahr hat Eichborn seine Berufsratgeber-Sparte, in der er Marktführer war, an den Stark Verlag im München verkauft.