Werbung

Werbung

Werbung

Autor Haslinger: Österreich hat Problem mit öffentlicher Moral

Dies habe unter anderem mit der „eigentlich nicht gelungenen Entnazifizierung“ zu tun

© Die Berliner Literaturkritik, 30.04.08

 

WIEN (BLK) – Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger meint, dass es in seinem Land die „fatale Tradition“ gebe, Dinge „unter den Teppich zu kehren“. Angesichts des Inzest-Dramas von Amstetten dürfe man also nicht so tun, „als hätte es auch gar nichts mit Österreich zu tun, als hätte es überall sonst passieren können“, sagte der Autor („Opernball“ 1995, „Vaterspiel“ 2000) am Mittwoch (30. April 2008) im Deutschlandradio. Damit „würde man es sich zu leicht machen“. Er führte weiter aus, dass seiner Ansicht nach in Österreich „die private Sünde und öffentliche Moral miteinander nicht in Zusammenhang stehen“. Dies habe unter anderem mit der „eigentlich nicht gelungenen Entnazifizierung“ zu tun. In Österreich habe man sich erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ernsthaft mit „dieser moralischen Verfehlung der Privatbürger im öffentlichen Bereich“ auseinander gesetzt, so der 52-Jährige.

Der Schriftsteller verwies außerdem auf die umfangreiche Auseinandersetzung österreichischer Künstler mit den Abgründen hinter der Fassade des Kleinbürgertums. „Dass es hier einen Doppelcharakter gibt – der freundlichen Fratze und des dahinter stehenden Ungeheuers – das hat tatsächlich eine Tradition in der österreichischen Kunst und Literatur. Das wird auch nicht so ganz zufällig sein.“ Haslinger führte dies unter anderem auf die dominante Stellung des Katholizismus zurück sowie darauf, dass es lange an öffentlichen Auseinandersetzungen gefehlt habe. Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten habe die Entwicklung einer Streitkultur begonnen. Auch die „Kultur des Wegschauens“ breche inzwischen auf, beobachtet Haslinger. (dpa/wip)


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: