Von Eva Hundemer
BERLIN (BLK) – „Keine Angst, Sie haben nur einen Roman gelesen“, beruhigt Sebastian Fitzek am Ende seines aktuellen Thrillers „Der Seelenbrecher“ seine Leser. Viele können wahrscheinlich erst dann wieder durchatmen. Der 37 Jahre alte Berliner Autor schreibt atemberaubende Psycho-Schocker und zwar einen nach dem anderen: Vier Bücher in drei Jahren, die in Deutschland eine Auflage von 750.000 Exemplaren erreichen. Wie er auf die Grusel-Geschichten kommt, die in 20 Sprachen übersetzt wurden, erzählt der „neue Star des deutschen Thrillers“ ganz unaufgeregt: „Meine Ideen kommen aus dem wahren Leben. Vor allem die Menschen, denen ich täglich begegne, sind meine Inspiration.“
Eigentlich ist Sebastian Fitzek Jurist, landete nach dem ersten Staatsexamen aber schnell beim Radio in der Programmdirektion, wo er heute neben dem Bücher-Schreiben immer noch arbeitet. Dort würden ihm - und das sagt Fitzek mit erstaunlich ernster Miene - die „verhaltensauffälligsten“ Menschen begegnen. „Ich glaube, ich bin ein Irrenmagnet“, schmunzelt Fitzek. Er halte regelrecht nach den „Irren“ dieser Welt Ausschau und sie würden ihm deshalb immer über den Weg laufen. Diese „irren“ Charaktere findet der Thriller-Fan dann in der „Therapie“, dem „Amok Spiel“, dem „Kind“ und eben seinem neuesten Coup, dem „Seelenbrecher“.
Mit jeder umgeblätterten Seite eines Fitzek-Thrillers erhält der Leser neue Rätsel. Genau dann, wenn man sicher ist, den Täter entlarvt zu haben, wird man auf eine andere Spur geführt. Das absolvierte Jura-Studium hilft dem Autor nach eigenen Worten „Struktur“ in seine vielschichtigen Handlungen zu bringen und Menschen zu „überzeugen“. Immer spielen die Romane in Fitzeks Heimatstadt Berlin. Dabei sei die Tatsache, dass überhaupt ein Roman im Buchladen steht, nur seiner „unglaublichen Naivität“ zu verdanken. „Hätte ich gewusst, dass nur 0,1 Prozent der Manuskripte eine Chance haben, hätte ich wahrscheinlich eher Lotto gespielt“.
Etwas erstaunt schaut Fitzek bei seinen Lesungen, gerade so, als sei er selbst überrascht über die Menschenmassen, die sich gespannt in die Stühle drücken. Bei der letzten Veranstaltung in Berlin kamen knapp 200 Menschen. Sebastian Fitzek ist an diesem Abend nicht da, um einfach seinen neuesten Thriller vorzustellen, sondern empfiehlt auch die Schriftstellerkollegen. Mit Leidenschaft - seine Hände gestikulieren, seine Augen sind fest auf das Publikum gerichtet - hält er Plädoyers für Robert Harris, Dennis Lehane und Harlan Coben, der wohl so etwas wie ein Vorbild für Fitzek ist.
„Ich habe eine Neurose“, grinst Fitzek. „Ich kann nicht einschlafen, ohne etwas zu lesen und wenn es nur eine Gebrauchsanweisung ist“. Dabei sind gerade seine Bücher nicht für jeden eine geeignete Nachtlektüre. Da verschwinden junge Frauen spurlos und werden psychisch gebrochen, da ersticken Männer in Kühlfächern eines Leichenkellers und „glühende Lötkolben“ nähern sich empfindlichen Körperstellen. „Gerade wenn man so schreibt wie ich, ist man schon ein bisschen schizophren“, erklärt Fitzek.
Die Charaktere in seinen Thrillern haben oft Todesangst. Fitzek hat eher Angst, vor dem Tod nicht alle „Sachen zu verwirklichen“, die er verwirklichen will. Deshalb schreibe er auch so schnell. Die nächste Geschichte ist schon in seinem Kopf und alle Bücher sollen unbedingt verfilmt werden. Würde er bei einem Thriller mitspielen, wäre er am Liebsten der Täter. „Warum jemand Gutes tun will, kann ich mir vorstellen. Ich bin aber neugierig nach Abnormitäten.“
Literaturangaben:
FITZEK, SEBASTIAN: Therapie. Knaur Verlag. München 2006. 336 S., 7,95 €.
Amok Spiel. Knaur Verlag. München 2007. 448 S., 7,95 €.
Das Kind. Droemer Verlag. München 2008. 400 S., 16,95 €.
Der Seelenbrecher. Knaur Verlag. München 2008. 368 S., 7,95 €.