HAMBURG (BLK) – Über die große Dame der deutschen Publizistik, Marion Gräfin Dönhoff, ist eine umfassende Biografie erschienen. Autor Klaus Harpprecht, der bereits das Leben des Schriftstellers Thomas Mann nachzeichnete, hat für sein fast 600 Seiten umfassendes Werk Briefwechsel und Aufzeichnungen der Dönhoff sowie Archivmaterial ausgewertet. Für Dienstagabend (7. Oktober 2008) lud der Rowohlt Verlag in Hamburg zu einer Buchpräsentation ein, bei der Harpprecht Einblick in das Leben der 2002 im Alter von 92 Jahren gestorbenen Journalistin geben wollte.
Aus ihrer Heimat Ostpreußen war die Volkswirtschaftlerin, die sich gegen das NS-Regime aufgelehnt hatte, 1945 vor den sowjetischen Streitkräften nach Westen geflohen. Sie kam schließlich nach Hamburg, schrieb seit 1946 für die liberale „Zeit“ und wurde deren Herausgeberin. In der Redaktion wurde sie respektvoll „Gräfin“ genannt, ihr Adelstitel ist ebenfalls Titel der neuen Chronik. „Diese Biografie konzentriert sich auf die nahezu unbekannte Marion Dönhoff des ‚Ersten Lebens’ und auf die formenden Jahrzehnte des ‚Zweiten’“, schreibt der Verfasser in seiner Einleitung. Ihren dritten Lebensabschnitt zu schildern, den der publizistischen Autorität, hätte nach seinem Bekunden den Rahmen seines Auftrags „gesprengt“.
Zur Einstimmung des Lesers auf die detailreiche Biografie versucht sich Harpprecht an einer Erklärung dessen, was „die Größe“ der Dönhoff ausgemacht hat: „Sie kann, bei allem Respekt, kaum als eine Denkerin von bezwingender Schärfe oder mitreißender Originalität gerühmt werden. Zum anderen: Ihr Verstand funktioniert mit ungewöhnlicher Klarheit, in der Regel rational (wie es frühere Generationen einer Frau kaum zugetraut hätten), oft – und womöglich allzu sehr – mit bestechender Logik.“ Für Harpprecht ist sie eine engagierte Zeugin des vergangenen Jahrhunderts. (dpa/bah)
Literaturangaben:
HARPPRECHT, KLAUS: Die Gräfin Marion Dönhoff. Eine Biographie. Rowohlt Verlag, Hamburg 2008. 587 S., 24,90 €.
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