Werbung

Werbung

China-Debatten reißen nicht ab

„Reporter ohne Grenzen“: Presse- und Internetzensur unverändert

© Die Berliner Literaturkritik, 15.10.09

FRANKFURT/MAIN (BLK) - Auch am zweiten Tag der Frankfurter Buchmesse sind die Debatten über den umstrittenen Ehrengast China nicht abgerissen. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kritisierte am Donnerstag (15.10.), die Presse- und Internetfreiheit in China habe sich entgegen offizieller Bekundungen der Staatsführung nicht verbessert. Die weltgrößte Bücherschau hat an Attraktivität für Fachbesucher nicht verloren. Am Mittwoch (14.10.) - dem ersten Tag – kamen knapp 46.000 Menschen, nur ein paar hundert weniger als im Vorjahr.

Der Pekinger ZDF-Korrespondent Johannes Hano kritisierte auf der Buchmesse, chinesischen Journalisten werde von der Kommunistischen Partei vorgegeben, über was und in welchem Tonfall sie zu berichten haben. Ausländische Korrespondenten dürften sich zwar frei im Land bewegen, allerdings bekämen chinesische Interviewpartner häufig Probleme mit den Sicherheitsbehörden. „Die Partei fürchtet nichts mehr als den Diskurs“, sagte Hano.

Wir brauchen keinen Demokratieunterricht, wir brauchen gemeinsames demokratisches Handeln“, sagte der in Deutschland lebende chinesische Exilautor Shi Ming. Am Stand des größten chinesischen Verlagshauses China Publishing Group Corporation (CPGC) ist man mit dem bisherigen Verlauf der Messe zufrieden und unzufrieden zugleich: „Wir haben schon etliche Verlagsrechte verkauft und Hunderte eingeführt“, freute sich der stellvertretende Präsident Li Pengyi. Dennoch fühle man sich als Gast ungerecht behandelt: „China hat mehr als 2.000 Menschen nach Frankfurt geschickt und bekommt so viele Vorwürfe.“

Das nächste Gastland der Buchmesse wird wohl für weniger Kontroversen sorgen. Argentinien kündigte am Donnerstag (15.10.) an, sich 2010 als „Kultur in Bewegung“ zu präsentieren. Das Land will die Übersetzung von mehr als 100 Autoren in zwölf Sprachen mit einem speziellen Übersetzungsprogramm fördern, kündigte Botschafterin Magdalena Fallace an. Argentinien ist Heimat weltberühmter Autoren wie Jorge Luis Borges oder Julio Cortázar.

Am Rande der Messe kündigte der amerikanische Internet-Riese Google an, das umstrittene Projekt zur umfassenden Digitalisierung von Büchern auch in Europa vorantreiben zu wollen. „Wir wollen das US-Modell nicht auf Europa übertragen, sondern wollen hier einen eigenen Weg finden“, sagte David Drummond, Vizepräsident und Justiziar von Google. Es gehe darum, ein Modell zu finden, „das für Autoren und Verleger in Europa gleichermaßen funktioniert“.

Der Messe-Donnerstag (15.10.) war auch ein Tag der Preisverleihungen: Stephan Thome, der auch unter den Finalisten des Deutschen Buchpreises war, erhielt den „aspekte“-Literaturpreis für das beste literarische Debüt. Die Übersetzerin Esther Kinsky wurde mit dem Paul-Celan-Preis geehrt. Der ungarische Autor Imre Kertész bekam den Jean-Améry-Preis für Essayistik. Und die Stiftung Buchkunst ehrte „die schönsten deutschen Bücher 2008“.

Zu den international bekannten Autoren, die am Donnerstag (15.10.) ihre Bücher auf der Messe vorstellten, gehörten die kanadische Autorin Margaret Atwood, der englische Schriftsteller Tim Parks und die chinesischen Autoren Mo Yan und Yu Hua. Bestseller-Autor Eckart von Hirschhausen verbreitete seine Glücksformel („Es ist einfach glücklich zu sein, schwer ist nur einfach zu sein. Also der Weg zum Glück ist Einlassen auf das Einfache.“) Schauspieler Jan Josef Liefers erzählte von seiner Kindheit in der DDR und seiner jugendlichen Debattierfreude („Ich hab' jeden platt geredet, bis ihm das Blut aus den Ohren lief.“) TV-Köchin Sarah Wiener gestand, nicht auf kalorienhaltige Süßspeisen zu verzichten („Ich bin kein Asket“). (dpa/gai)

Weblink:

Buchmesse


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: