DARMSTADT (BLK) – 2008 ist das bekannte Sachbuch „Die Kunst des Krieges“ von Sun Tsu bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wieder neu aufgelegt worden.
Klappentext: Dieser Band präsentiert die neue, verbesserte Übersetzung eines Klassikers der Militärtheorie, Geschichte und Philosophie. Die Strategeme des Sun Tsu haben über Jahrhunderte zum Grundbestand des Nachdenkens über Konflikte gehört. Schon 2500 Jahre lang beherzigen Philosophen wie Manager die Lehren des Theoretikers, der den Krieg ablehnte und seine Regeln minutiös beschrieb. Eine ausführliche Beschreibung der Wirkungsgeschichte des Sun Tsu in verschiedenen Ländern und Kulturen, eine Zeittafel der chinesischen Dynastien und eine Bibliographie vervollständigen diese Ausgabe.
Klaus Leibnitz, geb. 1937, war als Manager in einem deutschen Elektronikkonzern tätig und ist als Übersetzer sowie Militärhistoriker mit verschiedenen Veröffentlichungen hervorgetreten.
Gregor Paul, geb. 1954, ist Professor für Philosophie an der Universität Karlsruhe. Er ist ein international anerkannter Experte für chinesische und japanische Philosophie, u.a. Vorsitzender der Deutschen China-Gesellschaft. Bei der WBG ist von ihm die „Einführung in die Interkulturelle Philosophie“ (2007) erschienen. (vol/wip)
Leseprobe:
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26. Greife den Feind da an, wo er unvorbereitet ist. Schlage zu, wo er es nicht erwartet.
Dazu Ho Yen-hsi:
Li Ching, ein General der Tang, machte viele Pläne gegen die Hsiao Hsieh und bekam so das Oberkommando über die Armee. Im achten Monat sammelte er seine Truppen vor Kuei Chou. Es war bereits Herbst und die Ufer des Yang-Tse waren schon überflutet, und da die Wege durch drei Schluchten sehr gefährlich waren, glaubten sich die Hsiao Hsieh sicher und meinten, dass Li Ching nicht mehr gegen sie vorgehen würde. Deswegen bereiteten sie sich nicht auf eine Verteidigung vor. Im neunten Monat übernahm Li Ching den Oberbefehl über die Armee und sprach zu ihr: „Im Kriege ist außergewöhnliche Geschwindigkeit von größter Wichtigkeit, man darf keine günstige Gelegenheit auslassen. Wir sind jetzt alle zusammen und die Hsiao Hsieh wissen noch nicht davon. Wir werden Vorteil aus der Tatsache ziehen, dass der Fluss Hochwasser führt, und werden unerwartet vor den Mauern ihrer Hauptstadt auftauchen. Wie das Sprichwort sagt: ‚Wenn es donnert, ist es zu spät, sich die Ohren zuzuhalten.’ Auch wenn der Feind uns sichtet, ist es zu spät für ihn, um einen Gegenschlag kurzfristig zu führen, und wir können ihn sicher gefangen nehmen.“
Li Ching marschierte auf I Ling zu und die Hsiao Hsieh bekamen Angst und befahlen Verstärkung aus dem Süden des Flusses heran. Diese aber konnten nicht rechtzeitig eintreffen. Li Ching umzingelte die Stadt und die Hsieh ergaben sich.
Dort angreifen, wo es niemand erwartet, das erprobten damals gegen Ende der Wei-Dynastie auch die Generale Chung Hu und Tang Ai, als sie zum Angriff auf Shu ansetzten. Im Winter, im zehnten Monat, verließ Ai die Stadt Yin Ping und marschierte mit seinen Truppen mehr als 700 Li durch unbewohntes Gebiet, schlug Wege und baute Hängebrücken. Die Berge waren hoch, die Schluchten tief, und die Arbeit war schwierig und gefährlich. Auch bestand für die Armee die Gefahr, ihre Verpflegung aufzubrauchen, und der Untergang schien nahe. Tang Ai wickelte sich in einen Filzteppich und rutschte einen steilen Berg hinunter, Generäle und Offiziere stiegen über Bäume. Durch Schluchten strömte die Armee wie ein Schwarm Fische. Tang Ai erschien vor Chiang Yu und der mit der Verteidigung betraute General ergab sich. Tang Ai ließ Chuko Chan, der ihm einst bei Mien-chu Widerstand geleistet hatte, köpfen und marschierte dann auf Cheng Tu, Liu Shan, der König von Chu, ergab sich. (aus: Die Planung)
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Literaturangaben:
TSU, SUN: Die Kunst des Krieges. Übers. von Klaus Leibnitz. Mit einer Einführung von Gregor Paul. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008. 160 S. mit 15 s/w Abb., 19,90 €.
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