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Das Gedächtnis der Akademie: Archiv und Bibliothek der Leopoldina

Im Archiv der Leopoldina in Halle findet man Lebensläufe von Berühmtheiten

© Die Berliner Literaturkritik, 09.07.08

 

Von Christina Onnasch

HALLE (BLK) – Dokumente aus 356 Jahren sind das Gedächtnis der künftigen Nationalen Akademie der Wissenschaften: Die Leopoldina in Halle, die am 14. Juli 2008 zur Nationalakademie ernannt wird, beherbergt in ihrem Archiv unter anderem Lebensläufe und Veröffentlichungen von Albert Einstein, Ernst Haeckel, Marie Curie, Max Planck und Johann Wolfgang Goethe. Wertvolle wissenschaftliche Literatur aus mehreren Jahrhunderten steht zudem in der Bibliothek. Derzeit sind es rund 260.000 naturwissenschaftliche und medizinische Bände. Die 1652 in Schweinfurt gegründete Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt.

Das Archiv bewahrt Lebensläufe, Publikationslisten und Porträts aller Mitglieder – also von bislang mehr als 7000 Wissenschaftlern aus aller Welt. „Jeder, der von uns in die Akademie berufen wird, muss einen Lebenslauf und ein Papier mit seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen abgeben“, sagt die Generalsekretärin der Leopoldina, Jutta Schnitzer-Ungefug. Daneben sind Korrespondenzen, Nachlässe und Verwaltungsschriften zu finden – 1100 laufende Meter aus 356 Jahren. „Außerdem wird jedes neue Mitglied handschriftlich in ein Buch eingetragen“, berichtet Schnitzer-Ungefug.

In einem anderen Gebäude ist die Bibliothek der Akademie untergebracht. Im Jahr 1878 fand sie wie die Akademie ihren endgültigen Standort in Halle. Bis dahin war sie eine Wanderbibliothek, weil die Leopoldina lange immer dort ihren Sitz hatte, wo ihr aktueller Präsident lehrte. „Der Bestand zog zwar nicht mit jedem Leopoldina-Präsidenten um; trotzdem gab es häufige Ortswechsel, bei denen die Bücher auf Pferdewagen durch die Lande gefahren wurden“, berichtet Bibliotheksleiter Jochen Thamm.

Im Jahr 1731 war die Büchersammlung mit einer Spende von 37 Bänden in Nürnberg gegründet worden. Danach zog die nach Erfurt, Erlangen, Bonn und Dresden. In Halle wurde 1903 ein Bibliotheksneubau eröffnet. Wer in das Obergeschoss der Bibliothek geht, bekommt einen Eindruck, wie es dort Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat: Dunkel gebeizte Stühle, Tische und Regale stehen dort. Im Magazin, das sich inzwischen über sechs Geschosse zieht, ist es dämmrig, und der Geruch alter Bücher hängt in der Luft.

Hier steht auch die „Miscellanea curiosa medico-physica“, die älteste medizinisch-naturwissenschaftliche Zeitschrift der Welt. In ihrer Nachfolge erscheint die „Nova Acta Leopoldina“ heute noch. In der Schriftenreihe der Gelehrtengesellschaft veröffentlichte Goethe, der auch naturwissenschaftliche Forschungen betrieb, zum ersten Mal seine Abhandlung mit Illustrationen über den von ihm entdeckten Zwischenkieferknochen des Menschen.

Wechselvoll blieb die Geschichte der Bibliothek auch im 20. Jahrhundert. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs lagerten die Mitarbeiter zum Schutz vor Bombardierungen die wertvollsten Bände in einen Kalischacht in der Region aus. Nach dem Ende des Nazi-Regimes beschlagnahmte die Rote Armee diese Bücher und brachte sie in die Sowjetunion. „Es sind rund 7000 Bände. Da die Auslagerung dokumentiert wurde, wissen wir genau, was fehlt“, sagt Thamm. Die meisten von ihnen stünden heute noch in russischen Bibliotheken. Armenien und Georgien haben 1996 einige Bücher offiziell zurückgegeben. „Manchmal tauchen auch in Antiquariaten oder bei Auktionen Bücher aus dieser Auslagerung auf“, berichtet Thamm.

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