Von Britta Schultejans
„Umziehen. Ankommen. Auspacken“—Praktikant Jan Hesse kennt dieses Ritual. Seit Beginn seines Studiums bestimmt es den Rhythmus seines Lebens. Der junge Mann will Journalist werden und tingelt darum von einem schlecht oder unbezahlten Praktikum zum nächsten, zieht von Stadt zu Stadt. Jan Hesse ist der Protagonist des Romans „...und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute“, der jetzt bei Goldmann erschienen ist. Der Journalist Sebastian Christ—gerade frisch mit dem Axel - Springer - Preis ausgezeichnet—schildert darin das Leben in der „Generation Praktikum“ als ruheloses Umherirren in einer Welt, in der der Dauerpraktikant nirgendwo so richtig dazugehört und immer nur zu Gast ist. Sein ganzes Leben hat Jan in drei Taschen verpackt. „Es reist mit mir. Ohne Ziel“.
„Das Phänomen der Massenpraktika und der damit verbundenen erzwungenen Mobilität habe ich selbst natürlich in meinem Umfeld erlebt und es hat mich als Problem einer gesamten Generation beschäftigt“, sagte Christ im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Obwohl er in seinem Debütroman auch seine eigenen Erfahrungen—während seines Studiums in München absolvierte er sieben Praktika im In - und Ausland—verarbeitet hat, legt der 28 - Jährige großen Wert darauf, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. „Es ist ein Erzählen über Realität, ohne dass ich reelle Vorgänge erzähle.“
Eigentlich habe er einen Artikel über das Thema schreiben wollen, sagte Christ. Es sei aber sehr schwer gewesen, Protagonisten dafür zu finden. „Welcher ambitionierte, junge Student gibt schon gerne zu, dass ihn die ganzen Praktika, die Reiserei und der permanente Druck nerven?“
Hauptfigur Jan Hesse gibt das zu. Spätestens nachdem er sich in seine Mitpraktikantin Anne verliebt hat und sie nach einer schönen gemeinsamen Zeit wieder verlassen muss, beginnt er zu überlegen, ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Er denkt an seinen Vater, seinen Großvater und die Verlässlichkeit, die ihr Leben noch ausgezeichnet hat. Er zweifelt Hierarchien in den Redaktionen an und fragt sich, ob die als Karrierechancen verpackten Praktika es wert waren, alte Freunde zu Facebook - oder StudiVZ - Bekannten degradieren zu müssen, mit denen er alle Jubeljahre einmal über das Internet kommuniziert.
Alles in allem ist „...und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute“ ein Buch für junge Leute wie Jan Hesse, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, sich in der schnelllebigen Medienwelt zurecht zu finden. Wer schon selbst das ein oder andere Praktikum hinter sich gebracht hat, wird sich sicher auch in dem Protagonisten wieder finden. Richtig überraschen kann das 174 Seiten starke Buch nicht. Streckenweise wirkt es sogar sehr konstruiert. Die Dialoge mit Chefs, Kollegen und Freunden seien „völlig fiktiv und meistens nachts zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens in Hamburg an meinem Laptop entstanden“, sagte Christ. Einigen von ihnen merkt man das leider an.
Für Jungredakteur Christ, der von sich selbst sagt, bei ihm sei eigentlich immer alles reibungslos verlaufen, ist das Buch vor allem ein sozialkritischer Roman, eine Kritik an dem System in dem er selbst erfolgreich ist. „Ich würde mir eine Welt wünschen, in der wir alle ein bisschen mehr mehr Rücksicht aufeinander nehmen“, sagt er. „Und nur, weil man selbst erfolgreich ist in einem System, heißt es ja noch lange nicht, dass man das System an sich gutheißt.“
Literaturangabe:
CHRIST, SEBASTIAN: …und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute. Ein Leben als Praktikant. Goldmann Verlag, München 2009. 174 S., 7,95 €.
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