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Das Zimmermädchen: Immer dienstags unterm Bett

Markus Orths zeichnet das Bild einer einsamen Seele

© Die Berliner Literaturkritik, 30.07.08

 

Von Konrad Dittrich

Menschen im Hotel: Meistens wird der Blick auf die Gäste gerichtet. Markus Orths lenkt in seinem neuen Roman „Das Zimmermädchen“ das Augenmerk auf einen Menschen hinter den Kulissen – auf das Zimmermädchen Linda, das sich Lynn nennt. Der 1969 geborene Autor liefert kein Berufsporträt, will kein Mitgefühl für einen schlecht bezahlten Job erwecken. Er stellt eine etwa 30 Jahre alte Frau vor, die nach längerem Aufenthalt in der Psychiatrie mit Hilfe eines Freundes eine Stelle im Hotel bekommt.

Lynn hat niemanden, der auf sie wartet. Die Mutter lebt vier Bahnstunden entfernt und das Verhältnis zu ihr ist eher schlecht. Sie verlegt ihren Lebensmittelpunkt ins Hotel, arbeitet auch unbezahlt mehr als jeder von ihr erwartet. Sie spürt dem Leben der Gäste nach, reinigt und untersucht selbst deren Kulturbeutel, schlüpft in fremde Kleider. Dabei kann sie sich einmal nur noch unters Bett flüchten, als ein Gast unerwartet zurückkehrt. Das löst den Kick in ihr aus: Immer Dienstagnacht unterm Bett. Während sich über ihr das Leben abspielt, lauscht und träumt sie.

Auf diese Weise lernt sie Chiara kennen, eine Prostituierte, mit der sie eine Beziehung beginnt. Markus Orths zeichnet das Bild einer einsamen Seele. Oder warnt er, weil wir alle längst beobachtet und ausspioniert werden? Mit guter Beobachtungsgabe und knappen, aber treffenden Worten beschreibt der Autor ein Schicksal, das berührt und bewegt.

Literaturangaben:
ORTHS, MARKUS: Das Zimmermädchen. Roman. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2008. 144 S., 16,90 €.

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