BERLIN (BLK) – Joseph O’Neills Roman „Netherland” habe mehr Leben in sich als zehn anspruchsvolle Romane, lobt die „NYT“. „Shakespeare’s Wife“ von Germaine Greer sei eine leidenschaftliche Verteidigung aller Dichtergattinnen, schreibt die „WP“. Außerdem in der Presseschau: „Torture Team“ von Philippe Sands.
„La Libération“
Claire Devarrieux rezensiert für „La Libération“ die Neuauflage des Romans „Drôle de temps pour un marriage“ von Julia Strachey (1901-1979). Eine große Wiederentdeckung sei dieser Roman von Virginia Woolfs (1882-1941) Nichte für Frankreich. „Ein sehr schöner, intelligenter und ehrlich beachtenswerter Text“ schloss Virginia Woolf, nachdem ihre franzosische Nichte ihr den Roman vorlegte. Der Roman handle von einer jungen Frau, die sich auf dem Weg in die bürgerliche Ehe befindet und dabei versuche, ihr Leben zu ergründen, schreibt Devarrieux.
„London Times“
Die „London Times“ bespricht das politische Buch „Torture Team“ von Philippe Sands. Dieser sei der Meinung, dass Folter in jedem Fall falsch ist, berichtet der Rezensent Anthony Julius. Philipe Sands vergleiche die Methode der US-Regierung, Guantanomo-Häftlinge zu foltern, um Informationen von ihnen zu erhalten mit den Taktiken der Anwälte, welche die Nationalsozialisten in Nürnberg verurteilten, erläutert der Rezensent. Sands bemühe sich um Fairness, den Vergleich mit den Nazi-Anwälten von Nürnberg befindet der Rezensent jedoch als verkennend.
„<ST1:CITY W:ST="on"><ST1:PLACE W:ST="on">London</ST1:PLACE></ST1:CITY> Review of Books“
Die „London Review of Books“ bespricht John Mullans Buch „Anonymity: A Secret History of English Literature”. Mullans Buch sei zwar eine Geschichte der literarischen Anonymität vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, verzichte jedoch klugerweise auf „grandiose reflections“, konstatiert Eagleton. Der Rezensent vermisst die Prägnanz und Knackigkeit Mullans besten Kritiken und erkennt gelegentlich Tendenzen zur Müdigkeit und Wiederholung. Das Buch sei generell für ein breites Publikum verfasst, meint er abschließend.
„New York Times“
Im „Sunday Book Review“ der „New York Times“ bespricht Dwight Gardner Joseph O’Neills Roman „Netherland”. Zu den besten Textstellen des Buches zählt Gardner die ausschweifenden politischen und kulturellen Monologe der Figur Chucks. Der Roman wäre genauso gerissen und überschwänglich wie diese Hauptfigur und hätte mehr Leben in sich, als zehn gelungene Romane. Die „NYT“ nennt das Buch das anspruchsvollste, geistreichste aber auch zornigste Buch, seit die World Trade Center gefallen sind.
„Washington Post“
Die „WP“ rezensiert das biografische Buch „Shakespeare’s Wife“ der Feministin und Renaissancekennerin Germaine Greer. Greer unternehme den Versuch, Hathaway nach Jahrzehnten der Verunglimpfungen durch Biografen und höhnische Akademiker in einem neuen Licht darzustellen, erläutert Showalter. Grenn präsentiere sich interdisziplinär und polemisch zugleich, und widerlegt leidenschaftlich die gelehrtesten Kenner des Dichters. Das Buch sei letztlich aber eine stürmische Verteidigung aller Dichtergattinnen, meint die Rezensentin einlenkend. (lea/wip)
Literaturangaben:
GREER, GERMAINE: Shakespeare’s Wife. Harper, New York 2008. 406 S., $ 26,95.
MULLAN, JOHN: Anonymity: A Secret History of English Literature. Faber, London 2008. 256 S., £ 17,99.
O’NEILL, JOSEPH: Netherland. Pantheon, 2008. 256 S., $ 23,95.
SANDS, PHILIPPE: Torture Team: Deception, Cruelty and the Compromise of the Law. Allen Lane, London 2008. 336 S., £ 20.
STRACHEY, JULIA: Drôle de temps pour un marriage. Übersetzung ins Englische Anouk Neuhoff. Quai Voltaire, Paris 2008. 118 S., 16,50 €.