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David Safier im Gespräch

Interview mit David Safier: „Überraschenderweise haben auch Männer Gefühle“

© Die Berliner Literaturkritik, 08.03.10

HAMBURG (BLK) Die ersten beiden Romane David Safiers (43) erreichten zusammen eine Auflage von zwei Millionen. Nach „Mieses Karma“ und „Jesus liebt mich“ erscheint nun der dritte Roman des Bestsellerautors: „Plötzlich Shakespeare“. Darin erwacht die Seele einer modernen Frau nach einer Hypnose im Körper eines Mannes, der sich gerade duelliert.

Der Mann ist William Shakespeare. Natürlich gibt es erstmal Streit zwischen Rosa aus dem 21. und William aus dem 16. Jahrhundert. Doch sie stecken so lange im selben Körper fest, bis Rosa herausbekommt, was die wahre Liebe ist. In allen drei Romanen und in den preisgekrönten Fernsehserien Safiers, wie „Berlin, Berlin“ oder „Nicola“, stehen Frauen im Mittelpunkt. Mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sprach der Autor über seine Vorliebe für weibliche Hauptfiguren.

Interview:

Mit wessen Seele spreche ich gerade?

Safier: „Oh, mit der Frage hab ich nicht gerechnet. Ich glaube zwar an die Seele, aber bei Seelenwanderung bin ich mir nicht so sicher. Es würde mir aber gefallen, wenn ich die Seele von Jonathan Swift (1667-1745 – ‚Gullivers Reisen’) hätte. Ben Hecht (1894-1964 - US- Autor und Filmregisseur ‚Marx Brothers’, ‚Liebling, ich werde jünger’) würde mir auch gefallen.“

Die Hauptfiguren in Ihren TV-Serien wie „Nicola“ oder „Berlin, Berlin“ oder in Ihren Romanen sind immer Frauen - weil Frauen mehr Romane lesen und mehr Serien im Fernsehen ansehen?

Safier: „Es stimmt schon, wenn sie keine Krimis schreiben wollen, und ich bin nun mal kein Krimifan, dann sind die Zuschauer von Fernsehserien eher Frauen. Und die lesen auch mehr die Art von Romanen, die ich schreibe. Aber ich schreibe Geschichten über Menschen. Ich hab mir nie Gedanken gemacht, was Frauen anders machen. So grundsätzlich anders sind Männer und Frauen doch gar nicht. Überraschenderweise haben auch Männer Gefühle.“

Das stellt ja auch die Rosa in Ihrem neuen Roman fest.

Safier: „Ja, Rosa merkt bei Shakespeare plötzlich: ‚Hey, der Kerl hat ja Emotionen’. Die Gefühle werden von Männern und Frauen gleich empfunden. Liebeskummer schmerzt beide gleich stark. Es ist nur einfacher über eine weibliche Figur zu schreiben, weil Frauen über ihre Emotionen reden. Das Wichtigste ist die Wahrheit der Emotion. Dann überzeugen auch männliche Figuren.“

Als Drehbuchautor haben Sie alles erreicht, Sie haben jede Menge Preise eingeheimst und für „Berlin, Berlin“ sogar den Emmy bekommen, den amerikanischen Fernseh-Oscar. Was war der Grund, zu Romanen zu wechseln?

Safier: „Der Traum war immer, Romane zu schreiben. Mit 17 hab ich auf einer Reise Douglas Adams Roman ‚Per Anhalter durch die Galaxis’ in die Finger bekommen. Da wusste ich, das will ich machen, irgendwann will ich Autor werden.“

Haben Sie das jemandem erzählt?

Safier: „Nein. Ich bin dann erstmal Journalist geworden, bei Radio Bremen. Da war damals ein sehr kreatives Klima. Wir konnten viel ausprobieren. Heute werde ich bei Sendern von Praktikanten empfangen, die haben schon ein Studium hinter sich, dürfen aber nur Gäste rumführen. Am Tag als mein erster Sohn zur Welt kam, ist auch mein erstes Drehbuch aufgezeichnet worden.“

Aber irgendwann musste es dann doch ein Roman sein?

Safier: „Auch viele andere Drehbuchautoren aus der Zeit haben später Romane geschrieben. Tommy Jaud hat uns das vorgemacht. Das schöne ist, beim Roman kann mir keiner reinreden. Und es macht Spaß zu sehen, wie sich die Figuren entwickeln oder mich überraschen. Wenn die Figuren was Tolles machen, das ist der Kick.“

Wissen Sie vorher, wie die Geschichte ausgeht?

Safier: „Nein, aber man galoppiert mit hängenden Zügeln auf das Ende zu und stellt fest, der Weg führt nur noch auf ein ganz bestimmtes Ziel zu. Die größte Überraschung beim Wechsel ins Romangeschäft war aber, dass das immer ein kollaborativer Prozess mit dem Leser ist. Die Fantasie des Lesers liegt immer mit auf dem Tisch. Viele sagen zum Beispiel, ich würde so bildlich schreiben. Das stimmt gar nicht. Ich schreibe sehr knapp. Aber im Kopf des Lesers entstehen dann die Bilder.“

Ist auch an eine Verfilmung Ihrer Bücher gedacht?

Safier: „Ja. Die Verhandlungen über eine Verfilmung von ‚Jesus liebt mich’ sind schon sehr weit. ‚Mieses Karma’ soll auch verfilmt werden. Das Buch ist in 15 Ländern erschienen, in Spanien und Frankreich ist es auf die Bestsellerliste gekommen. Ich find’s toll, dass Humor so international funktioniert. Demnächst wird ‚Mieses Karma’ auf Englisch rauskommen. Wahrscheinlich wird es ‚Bad Karma’ heißen, wie Bad Zwischenahn klingt das, finde ich. Das tolle an Büchern ist aber, dass sie für sich stehen. Wenn eine Verfilmung mal total daneben geht, dann kann das dem Buch nichts anhaben. Das ist immer noch unverändert da.“

Was kommt als Nächstes?

Safier: „Der nächste Roman ist eine Familiengeschichte. Darauf freue ich mich schon sehr. Und ich weiß auch schon den ersten Satz: ‚Hier machst Du was mit.’ Die Hauptfigur ist zwar wieder die Frau, aber der Mann ist auch sehr wichtig. Mal sehen, ob der dann mehr über seine Gefühle reden kann. Aber wahrscheinlich wird das wieder nichts. Männer grunzen meist nur über ihre Gefühle.“

Was halten Sie von elektronischen Büchern?

Safier: „Die E-Books, die es bisher in Deutschland gibt, sind mir nicht attraktiv genug, nicht bunt und zu umständlich. Man muss sich als Autor aber schon überlegen, ob sich mit der Elektronik nicht die Produktionsweise ändern sollte, mehr zu einem interaktiven Prozess mit den Lesern. Man könnte auch zum Beispiel Szenen dazustellen, die man aus dem gedruckten Roman wieder rausgenommen hat.“

(Interview: Katrin Börner, dpa/kör)


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