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Der „Auftrag“: treibende Kraft erfolgreicher Unternehmen

Nikos Mourkogiannis’ Businessratgeber „Der Auftrag“

Von: MONIKA THEES - © Die Berliner Literaturkritik, 04.02.08

 

Was macht ein Unternehmen großartig? Was treibt es an? Und was unterscheidet es von anderen? Gute Produkte, eine starke Marke, nachhaltiges Wachstum? Die richtige Strategie, das unbedingte Streben nach Best Practice oder aggressives Outsourcing? Alles zu kurz gedacht. Jeder langfristige Unternehmenserfolg beruhe auf einer soliden Unternehmensethik, auf verbindlichen Werten, meinen zumindest Managementberater. Das gelte gerade in einer Zeit, in der das Ansehen der Wirtschaft in der Öffentlichkeit merklich gesunken ist.

Ohne Mission, Leitsätze oder eine Unternehmensphilosophie kommen weder Global Players noch Mittelständler oder Start-ups auf die Sprünge. Es hat sich längst herumgesprochen in den Führungsetagen: Ethisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung zahlen sich aus im Ringen um Kunden, Marktanteile und die besten Mitarbeiter. Unternehmenswerte schärfen nicht nur das öffentliche Image, sondern gewinnen in gelebter Praxis eine Eigendynamik und sind daher die beste Grundlage für das erfolgreiche Bestehen im Wettbewerb. Doch Unternehmensprinzipien, ein Verhaltenskodex und auch der Einsatz für soziale und Umweltbelange greifen zu kurz, sagt Nikos Mourkagiannis, es fehle das entscheidende Mehr: der Auftrag.

Für den Harvard-Absolventen und renommierten Managementberater heißt das grundlegende ethische Unternehmensprinzip „purpose“, zu Deutsch Sinn, Zweck, Vision und – im Sinne der von Mourkogiannis vertretenden Kernidee – der Auftrag. Er sei die moralische DNS eines Unternehmens und komme überall dort zum Ausdruck, wo ein Unternehmen in voller Überzeugung handle. Zusammen mit seinen zwei Co-Autoren erläutert Nikos Mourkogiannis dieses Prinzip in seinem jetzt in deutscher Übersetzung vorliegenden Businessratgeber „Der Auftrag. Was großartige Unternehmen antreibt“.

Was hat es auf sich mit diesem „Auftrag“? Geht es nicht ausschließlich um Profit, Rendite, vielleicht noch um Ruhm? Mitnichten, so der Managementexperte, der Auftrag sei die wichtigste Quelle, aus der wir Leistungen schöpfen, er lege die Dynamik offen, die jedem Handeln zugrunde liegt, er bestimme unser Verhalten und unsere Motivation. Der „Auftrag“ eines Unternehmens erwachse aus kulturell überlieferten Moralvorstellungen, nach Mourkogiannis aus vier grundlegenden Vorstellungen über das, was richtig und wertvoll ist: dem Streben nach Entdeckungen (dem Neuen), nach Spitzenleistungen (dem Schönen), Altruismus (dem Hilfreichen) und Heroismus (dem Effektiven).

Der Auftrag kommt nicht von außen und wird auch nicht übergestülpt als ethisches Erfolgsrezept, jedes Unternehmen muss seinen Auftrag selbst finden, entwickeln und ihn durchgängig leben. Großartige Unternehmen haben es geschafft, meint Mourkogiannis, so Ferdinand Porsche mit seiner Leidenschaft für Entdeckungen, Warren Buffett mit seiner Kunst der Investition, Ingvar Kamprad mit dem „unmöglichen Möbelhaus aus Schweden“ oder die „Heroen“ Henry Ford und Jürgen Großmann: fünf Unternehmer, die – jeder auf seine Art – jene vier Grundsätze verkörpern, die Mourkogiannis herausarbeitet und anhand ihrer Firmengeschichte exemplarisch erläutert.

Man mag darüber streiten, ob ein „Heroismus“ à la Henry Ford heute noch beispielgebend sein kann, er war es in seiner Zeit, bis Anfang der 1920er-Jahre. Man mag bezweifeln, ob der eigenwillige US-Investor Warren Buffett, Multi-Milliardär und laut „Stern“ die „freundlichste Heuschrecke der Welt“, wirklich dem „Schönen“ verpflichtet ist, jedenfalls machte Buffett seit Mitte der 1960er-Jahre aus Berkshire Hathaway einen der größten Mischkonzerne - und spendete jüngst 37,5 Milliarden Dollar (rund 85 Prozent seines Vermögens) an die Bill und Melinda Gates Stiftung.

Ob sich das größte Möbelhaus der Welt dem „Altruismus“ verschrieben hat, sei dahingestellt. Ikea ist zweifelsohne sozial engagiert und wurde 2006 ausgezeichnet im vom WWF (World Wide Fund for Nature) in Auftrag gegebenen Nachhaltigkeitsrating. Jürgen Großmann begann mit dem Management-Buyout der Georgsmarienhütte eine beispiellose Unternehmerkarriere. Die Rettung des maroden Stahlwerks verdankt sich seinem Mut und seiner Entschlossenheit. Bei aller Unterschiedlichkeit stehen die von Mourkogiannis aufgeführten Unternehmen stellvertretend für (s)eine neue Sicht auf das Spannungsverhältnis zwischen Werten und Profit. Es geht nicht nur um das „Was“, sondern entschieden um das „Warum“ - und das eröffnet neue Dimensionen.

Milton Friedmans Diktum „The business of business is business“ herrscht also nicht mehr ungebrochen vor, auch nicht der Shareholder-Value als oberstes Unternehmensziel? Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Dass Ethik profitabel sein kann, entdecken zumindest einige Unternehmen neu, wenn auch nicht ganz freiwillig. Corporate Social Responsibility (CSR) nennt sich die Verpflichtung, unternehmerisches Handeln mit ethischen und moralischen Grundsätzen zu verbinden, nach innen und nach außen. Das anzustrebende Ideal wäre Transparenz und ein ganzheitlicher Stakeholder-Dialog, unter Einbeziehung von Eigentümern, Managern, Mitarbeitern, Lieferanten, Sozialpartnern und Verbraucherverbänden.

Doch hiervon ist Mourkogiannis’ Ansatz weit entfernt, der Blickwinkel des „leadership guru“ ist ein anderer und muss es auch sein. Nikos Mourkogiannis ist Senior Partner bei Panthea, einer Londoner Managementberatung, die weltweit Vorstände und CEOs von Top-Unternehmen berät. Gleichzeitig ist er Senior Executive Advisor für Leadership bei der globalen Beratungsfirma Booz Allen Hamilton. Sein Ziel, sein „Auftrag“, ist es, Entscheidungsträgern aus der Wirtschaft gangbare Wege zu zeigen, wie sie das Vertrauen wiedergewinnen – und dabei noch erfolgreich sein können.

Denn, da ist sich Nikos Mourkogiannis sicher, der „Auftrag“ gibt Kraft und Rückendeckung, gerade in Momenten schwieriger Entscheidungen. Er fördere die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Moral, denn im „Auftrag“ kommen beide Bereiche zur Deckung. Wie sagte es doch Daniel Vasella, Präsident des Verwaltungsrates von Novartis: „Eine Möglichkeit, die wir zur Förderung von Innovationen nutzen ... besteht darin, unsere Geschäftsziele an unseren Idealen auszurichten. Ich glaube, dass Menschen ihre Arbeit besser machen, wenn sie an das glauben, was sie tun.“

Literaturangaben:
MOURKOGIANNIS, NIKOS / VOGELSANG, GREGOR / UNGER, STEFANIE: Der Auftrag. Was großartige Unternehmen antreibt. Deutsch von Hartmut Strahl und Matthias Nöllke. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2007. 320 S., 29,90 €.

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Monika Thees ist Redakteurin dieses Literatur-Magazins


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