Adam Smith gilt als Urvater der klassischen Ökonomie, darauf können sich sowohl Befürworter als auch Gegner seiner Theorie einigen. Bereits vor mehr als 200 Jahren legte er mit dem „Wohlstand der Nationen“ einen Grundstein für die wissenschaftliche Diskussion über Arbeit, Tausch und Kapital. Berühmte Nachfolger wie David Ricardo und auch Karl Marx beziehen sich in ihren Schriften explizit auf den schottischen Denker und bis heute bilden seine Ideen einen festen Teil wirtschaftlicher Lektionen.
Dabei sei Smith gar kein reiner Ökonom gewesen, vielmehr müsse sein bekanntes Werk im Kontext einer umfassenderen Philosophie über gesellschaftliche Belange gesehen werden. Smith befasste sich bis zum Tode auch mit Problemen der Politik, der Ethik und des Rechts. Zu wenige Rezipienten würden das berücksichtigen – das sei auch ein Grund für weit verbreitete Fehlinterpretationen seiner Ideen. Um solchen Fehlern vorzubeugen, schrieb Aßländer eine Einführung zum Gesamtwerk Adam Smiths.
Das Buch verknüpft schlüssig das Leben und Denken des Ökonomen und versäumt auch nicht, seine Ideen im historischen Kontext zu würdigen. Die Aufklärung mit ihren weit reichenden politischen und ökonomischen Umbrüchen bildet den Hintergrund. Smiths Kritik hätte sich vor allem an den erfahrenen Missständen bis dahin vorherrschender Theorien entzündet. So seien seine Thesen zwar auch 2007 noch inspirierend, könnten aber keinesfalls völlig unreflektiert in die heutige Zeit übertragen werden. Was für viele Theoretiker selbstverständlich ist, wird für populistische Schnellschüsse allerdings gern auch mal übersehen.
Der Autor räumt Smiths moralphilosophischer Arbeit großen Platz ein. Für Aßländer ist die Lektüre der „Theorie der ethischen Gefühle“ ein Muss für das Verständnis. Abstrakte Schriften über Ökonomie und Ethik locken nun mitunter nicht einmal Studenten des Fachs. Aßländer hat jedoch in vieler Hinsicht das richtige Maß gefunden, einen hilfreichen und auch anregenden Start dafür zu schaffen. Der Autor bewahrt durch wohl dosierte Kritik und Lob an Adam Smith seine Glaubwürdigkeit und wirkt keinesfalls wie ein dogmatischer Kämpfer für die eine Wahrheit. Zudem bedient er mit einer guten Balance zwischen strenger Analyse und lockerer Erzählung sowohl wissenschaftliche Ansprüche als auch interessierte Anfänger.
Die Einführung ist eng an den originalen und sekundären Quellen gehalten, erstaunt aber immer wieder durch verständliche Erklärung und auch kurzweilige Prosa. Die Abhandlung der großen Werke Smiths ist gut strukturiert und in der Abfolge sinnvoll gegliedert. Der Abriss über Smiths Leben kann sogar mit munteren Passagen aufwarten. Witzig wirken die Anekdoten über Smiths kleine Zuckersucht, rührend hingegen die Passage, als er seine geliebte Universität von Glasgow verlässt.
Aßländer schreibt nicht zu viel und nicht zu wenig, er verliert sich weder in wichtigen Einzelheiten noch in nichtigen Randnotizen. So kann das Buch durchaus, entgegen der Absicht von Verlag und Autor, als kleiner Ersatz für die Originalwälzer dienen. Zumindest weiß der Leser nach der Einführung, dass Adam Smith keineswegs der Begründer einer unbedingt freien Marktwirtschaft ist und auch dem Staat gegenüber der liberalen Ökonomie mehr als nur die so genannten „Nachtwächterfunktionen“ zugesteht. Das ist schon mal viel mehr, als sich so mancher Gelehrte eingesteht.
Von Steffen Vogel
Literaturangaben:
ASSLÄNDER, MICHAEL S.: Adam Smith zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 2007. 211 S., 13,90 €.
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