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Der Staat ist der „größte Nehmer“

Peter Sloterdijk ärgert sich über hohe Steuern

© Die Berliner Literaturkritik, 11.06.09

KARLSRUHE/FRANKFURT AM MAIN (BLK) — Eigentum ist nach linker Ideologie Diebstahl — und der dreisteste Dieb ist heutzutage der Staat. Zu diesem Schluss kommt zumindest der Philosoph Peter Sloterdijk. Er bezeichnet den modernen Staat in einem Essay in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ/Mittwoch, den 10.6.) als „größten Nehmer“ der Neuzeit. „Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus“, schreibt der in Karlsruhe lebende Schriftsteller. Gleichzeitig bleibe aber ein „antifiskalischer Bürgerkrieg“ als angemessene Reaktion darauf aus, wundert sich der 61-Jährige. Dies sei ein beneidenswertes „politisches Dressurergebnis“.

Inzwischen habe man sich längst an Zustände gewöhnt, in denen „eine Hand voll Leistungsträger gelassen mehr als die Hälfte des nationalen Einkommensteuerbudgets“ bestreite, führt Sloterdijk in dem Text mit dem Titel „Die Revolution der gebenden Hand“ aus. Keineswegs lebe man derzeit im Kapitalismus, sondern in einem „steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus“, betont er. Fragen nach der „Zukunft des Kapitalismus“ erübrigten sich daher. Allerdings stelle sich die „nehmende Hand“, also der Staat, vor allem in den Dienst von Gemeinschaftsaufgaben. Das Nehmen des Staates rechtfertige sich also „durch seine unverkennbare Nützlichkeit für den sozialen Frieden“, räumt Sloterdijk ein: „Ein moderner Finanzminister ist ein Robin Hood, der den Eid auf die Verfassung geleistet hat.“ (dpa/köh/mül)


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