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„Nicht verkleiden!“

Ein Interview mit Anna von Griesheim zu ihrem neuen Moderatgeber

© Die Berliner Literaturkritik, 26.02.10

HAMBURG (BLK) – Zur Eröffnung des Osloer Opernhauses machte Angela Merkel modisch genauso Furore wie auf den Bayreuther Festspielen – beide Male in Kreationen von Anna von Griesheim. Die Berliner Designerin, die auch Medienstars wie Franziska van Almsick, Maybrit Illner und Nina Hoss zu ihren Kundinnen zählt, betonte bei der einst eher bieder wirkenden Politikerin deren Weiblichkeit, Anmut und dezente Eleganz.

Zu solch traditionell-femininen Attributen möchte die 43-jährige Adelige mit Schneider- und Schnittausbildung, die ihr Atelier seit 1991 betreibt, nun auch Normalfrauen verhelfen: In ihrem Ratgeber „Einfach gut angezogen. Wie jede Frau ihren eigenen Stil findet“ stellt die Autorin empfehlenswerte Kleidungsstücke vor, erzählt von ihrer persönlichen Geschmacksentwicklung und interviewt Prominente wie Sabine Christiansen, Barbara Schöneberger und Renate Künast.

Interview:

Was macht einen guten Kleidungsstil aus?

Griesheim: „Die Essenz ist eigentlich, dass Kleidung und Person zusammenpassen, dass man sich nicht verkleidet. Teile, die gut zu einem passen, sollte man ruhig oft wiederholen – erst dann wird es zum Stil. Man denke an Jackie Kennedy und ihre Etui-Kleider. Weniger wichtig sind dagegen Trends, die alle drei Monate neu auf den Markt kommen und von denen sich Frauen oft unter Druck gesetzt fühlen. Da sollte man total entspannen.“

Ihre Empfehlungen im Buch gehen eher in die weiblich-elegante als in die sportliche Richtung. Ist das wirklich angesagt?

Griesheim: „Ich lasse mich dabei gern von Ländern wie Frankreich und Italien inspirieren. Dort hat es eine ganz andere Selbstverständlichkeit, dass Frauen Rock und höhere Absätze tragen, auch mal flirten, ohne dass es gleich Folgen haben muss. Für mich ist das Ausdruck von Lebensfreude und Spaß an sich selbst.“

Was wären drei erste Schritte, sein Styling zu ändern?

Griesheim: „Zuerst sollte man analysieren, was einem an sich nicht gefällt: Sieht man etwa zu geschlechtsneutral aus? Das kann in Jeans und Pulli leicht passieren. Dann könnte man sich Orientierungen suchen – Frauen, die man kennt oder in Modeheften und Filmen sieht – und sich überlegen, welche Aspekte ihres Stils auch zu einem selbst passen. Dritter Schritt wäre dann, diese Anregungen umzusetzen.“

Was halten Sie für die größten derzeit gängigen Modesünden?

Griesheim: „Zu eng, zu kurz, zu schlechtes Material.“

Inwieweit ist gut angezogen sein eine Frage des Einkommens und der Figur?

Griesheim: „Ich denke nicht, dass diese Aspekte an erster Stelle stehen. Wichtig ist der Umgang mit dem eigenen Körper und seiner Form - dann kann man auch in Größe 44 perfekt angezogen sein. Was das Finanzielle betrifft: die großen Modeketten bieten heute gute Basics für wenig Geld.“

Was tragen Sie selbst, wenn Sie mal zu Hause „abhängen“?

Griesheim: „Ich mag’s nicht gern nachlässig, trage daher selbst in der Freizeit meist Kleider oder Rock-Pulli-Kombinationen aus Jersey. Die finde ich auch wirklich bequem.“

(Interview: Ulrike Cordes, dpa/kör)

 

Literaturangabe:

VON GRIESHEIM, ANNA: Einfach gut angezogen. Wie jede Frau ihren eigenen Stil findet. Droemer Verlag, München 2010. 192 S., 19,95 €.

 

Weblink:

Droemer Knaur

Anna von Griesheim


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