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Das Fehlen von Liebe

Büscher und Siggelkow sprechen darüber was geschieht, wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist

© Die Berliner Literaturkritik, 28.12.09

MÜNCHEN (BLK) – Der Goldmann Verlag hat im Dezember 2009 das Buch „Deutschlands sexuelle Tragödie“ von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher veröffentlicht.

Klappentext: Deutschlands Kinder und Jugendliche haben immer früher Sex, wissen aber oft nicht, was Liebe ist. Jetzt hat ihnen jemand zugehört: Bernd Siggelkow, Gründer der „Arche“ in Berlin, und Journalist Wolfgang Büscher waren tief erschüttert, von dem was sie in unzähligen Gesprächen erfuhren. Nicht nur haben sie immer früher Sex, sondern auch immer häufiger, mit ständig wechselnden Partnern, mit völlig Fremden und ohne Scham auch öffentlich. Sex als Ware, als Droge, als Ersatz für fehlende Liebe, Geborgenheit und Werte. Einfühlsam gehen die Autoren einem brennenden Problem unserer Zeit auf den Grund und begeben sich auf die Suche nach Auswegen.

Bernd Siggelkow hat in Berlin das christliche Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ gegründet. Dort bekommen täglich viele Hundert Kinder warme Mahlzeiten und Zuwendung. Inzwischen entstanden deutschlandweit mehrere Einrichtungen. Bernd Siggelkow erhielt für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz.

Wolfgang Büscher ist Journalist. Lange Zeit war er Mitglied der Bundespressekonferenz. Außerdem arbeitete er als Medienberater für zahlreiche Unternehmen und war als Radiomoderator tätig. Seit einigen Jahren ist er Pressesprecher der „Arche“. (olb/ros)

Leseprobe:

©Goldmann©

Fast täglich sind die Mitarbeiter der Arche unterwegs auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, in Wohnungen und Häusern, um Familien und Kinder aufzusuchen, die in verschiedenen Lebensbereichen Hilfe brauchen. Hier treffen wir manchmal Kinder im Alter zwischen 5 und 6 Jahren, die über Stunden mit sich allein auf dem Spiel­platz spielen. Weit und breit ist kein Erwachsener zu se­hen. Zu einer bestimmten Uhrzeit gehen sie dann wie ferngesteuert nach Hause. In den Familien herrschen Arbeits- und Perspektivlosigkeit. Die Kommunikation findet häufig – wenn überhaupt – vor dem laufenden Fernseher statt. Unzäh­lige Kinder in Deutschland wachsen so auf. Die Geschichten von einigen von ihnen haben wir in unserem ersten Buch, „Deutschlands vergessene Kinder“, erzählt. Auch in diesem Buch finden Sie nun Geschichten von Kindern und Jugendlichen, die wir durch unsere Arbeit kennengelernt haben. Es könnten die gleichen Kinder sein wie die aus dem ersten Buch. Es sind Kinder, die in Armut aufwachsen – viele von ihnen in finanzieller Armut, aber vor allem, und das ist oft viel schlimmer, in emotionaler Armut. Sie haben nie gelernt, was Liebe ist. Über die Auswirkungen dieser emotionalen Armut wollen wir im Folgenden berichten. Dieses Buch ist keine wissenschaftliche Studie; es beschreibt nur eine Recherche unter Jugendlichen und deren Geschichten. Es will niemanden verurteilen oder Vorurteile wecken. Wir wollen lediglich darauf auf­merksam machen, wo unsere Gesellschaft hinsteuert, wenn unsere Kinder sich selbst überlassen werden bzw. wenn man sie mit Dingen konfrontiert, die ihrem Entwicklungsstand nicht angemessen sind. Und es beschäftigt sich mit Fragen, die wir uns in dem ganzen Zusammenhang stellen müssen. Zum Beispiel: Reicht die biologische Aufklärung in den Schulen? Wo sind im Umfeld der Kinder Ansprechpartner zum Thema Sex zu finden? Wie sollen Medien zukünftig mit diesem Thema um­gehen? Muss es nicht stärkere Kontrollen und bessere Schutzvorrichtungen im Internet geben? Sicher werden die in diesem Buch beschriebenen Ge­schichten Aufsehen erregen, doch viel mehr wünschen wir als Autoren uns, dass unsere Kinder wieder ins Blickfeld kommen. Wir alle müssen diesen Kids und Jugendlichen hel­fen, ihr Leben zu meistern. Wir müssen ihnen wieder Werte und Inhalte vorleben, nur dann leben unsere Kinder sie nach. Leider denken heute viele Menschen, dass die sex­uelle Verwahrlosung von Jugendlichen wenn über­haupt, dann nur eine Randgruppe, nur die sogenannte Unterschicht, betrifft, aber dem ist nicht so. Bei unseren Recherchen haben wir festgestellt, dass auch Jugendli­che von der sexuellen Tragödie betroffen sind, die aus besseren finanziellen Verhältnissen kommen. Für sie ist es sogar häufig noch einfacher, Bilder und Videos aus dem Internet herunterzuladen, da sie über das nötige Kleingeld verfügen, um sich spezielle Filmchen auf ihre Mobiltelefone zu ziehen und mit nur einem Klick von einem Handy zum anderen zu schicken. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das Thema wieder in „Geschichtenform“ darzustellen, um der Tragödie ein Gesicht zu geben. Nur so wird wirklich deutlich, dass es sich hier um Kinder „von nebenan“ handelt und nicht um eine Gruppe von Au­ßenseitern und Absteigern. Natürlich ist es nicht einfach, die zum großen Teil sehr erschreckenden Erlebnisse von jungen Menschen zu erzählen, doch wollen wir auf die Tragweite der sexuellen Verwahrlosung hinweisen, ohne zu verurtei­len, und dem Leser die Chance geben, sich selbst ein ungetrübtes Bild zu machen. Das Thema ist immer noch schwierig genug, doch wir brauchen Lösungen und Hilfestellungen für die Generation, die ansonsten auf der Strecke bleibt.

©Goldmann©

Literaturangabe:

BÜSCHER, WOLFGANG & SIGGELKOW, BERND: Deutschlands sexuelle Tragödie. Goldmann, München 2009. 192 S., 7,95 €.

Weblink:

Goldmann Verlag


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