FRANKFURT/MAIN (BLK) - Für den Deutschen Buchpreis hat am Mittwoch (16.9.) eine siebenköpfige Jury sechs Titel nominiert. Der Sieger wird am 12. Oktober am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Anbei, in alphabetischer Reihenfolge der Autoren, eine kurze Vorstellung der sechs Romane:
RAINER MERKEL („LICHTJAHRE ENTFERNT“): Der Familientherapeut Thomas Kaszinski wird vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt: Er muss auf einer Reise nach New York sein Leben in Ordnung bringen. Auf dem Rückweg in der U-Bahn zum Flughafen verliert er sich in der Vergangenheit. Der Roman wird von der Jury als „Tour de Force“ durch die Abwege der Liebe beschrieben, und als schmerzvoller und ehrlicher Lebensrückblick in Schleifen und Sprüngen. Der 1964 in Köln geborene Merkel hat Psychologie und Kunstgeschichte studiert. Er lebt in Berlin.
HERTA MÜLLER („ATEMSCHAUKEL“): Herta Müllers Roman handelt vom Schicksal der deutschen Bevölkerung Siebenbürgens und vom Leben eines jungen Mannes in den Lagern Stalins nach 1945. Herta Müller erzählt von einer furchtbaren Erfahrung, die den Überlebenden für sein Leben prägt. In vielen Gesprächen mit dem 2006 gestorbenen Georg-Büchner- Preisträger Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt. Damit gelingt ihr laut Jury, ein noch fast unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte in einer zutiefst individuellen Geschichte mit großer Bildgewalt sichtbar zu machen. Müller, 1953 geboren, stammt aus dem rumänischen Banat. Sie lebt in Berlin.
NORBERT SCHEUER („ÜBERM RAUSCHEN“): Norbert Scheuers Roman spielt in der Provinz. Es geht um die Kindheit des Ich-Erzählers in der Eifel, das Fischen, die erste Liebe oder die kauzigen Gäste der elterlichen Gastwirtschaft. Der Roman entwickelt laut Jury mit seiner genauen und poetischen Sprache einen enormen Sog. Trauer und Schönheit einer ganzen Welt entstünden durch die suggestive Geschichte. Der 1951 geborene Schauer arbeitet als Systemprogrammierer.
KATHRIN SCHMIDT („DU STIRBST NICHT“): Helene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Kathrin Schmidt macht in ihrem Roman den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung. Vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns entsteht laut Jury ein Entwicklungsroman ganz eigener Art. Schmidt, 1958 in Gotha geboren, arbeitete unter anderem auch als Psychologin. Sie lebt in Berlin.
CLEMENS J. SETZ („DIE FREQUENZEN“): Setz beschreibt die Geschichte von zwei Freunden, deren Wege sich nach längerer Zeit wieder kreuzen und deren Beziehung sich dem Leser erst nach und nach offenbart. Der Roman sprengt laut Jury alle Erwartungen. Es handle sich um ein kraftvolles und zugleich virtuos-verspieltes Buch über Liebe, Wahnsinn und Ohrgeräusche. Setz, 1982 geboren, lebt in Graz in der Steiermark. Er ist Obertonsänger und Übersetzer.
STEPHAN THOME („GRENZGANG“): Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest. Thome erzählt von der Jagd nach dem Glück, die seine Protagonisten aus Berlin und Köln in die hessische Provinz und von dort in einen Swinger-Club nahe bei Frankfurt führt. Schnell wird laut Jury in dem furiosen Debüt klar, wie leicht vermeintliche Sicherheiten abhanden kommen können und wie dünn das Eis ist, auf dem Lebensentwürfe errichtet werden. Thome, 1972 im mittelhessischen Biedenkopf geboren, ist Sinologe. Er lebt seit 2005 in Taipeh/Taiwan. (dpa/kum)