MÜNCHEN (BLK) – Im August 2008 ist die Lyrik-Anthologie „Die Flügel meines schweren Herzens“, herausgegeben von Khalid Al-Maaly, im Manesse Verlag erschienen.
Klappentext: Dem Klischee und Schreckensbild von der unter dem Schleier verstummten Araberin treten sechsundfünfzig Dichterinnen entschlossen entgegen. Vom überraschend freizügigen erotischen Gedicht aus dem 7. Jahrhundert bis zum zeitgenössischen Text über das Leben im Exil – eindrucksvoll setzen sich die Frauen mit ihrer Lebenssituation auseinander. Dieses Buch beweist: Die großartige arabische Dichtkunst ist keine ausschließliche Domäne der Männer.
Khalid Al-Maaly, wurde 1956 im Irak geboren, den er 1979 aus politischen Gründen verließ. Seit 1980 lebt er als Schriftsteller, Übersetzer und Verleger in Köln. 1991 erhielt er den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. (bah/vol)
Leseprobe:
© Manesse Verlag ©
LAILA BINT LUKEIZ AL-AFIFA
Hätte Alburaq nur Augen, zu sehen,
was ich für Qualen und Mühen erleide!
O Kuleib, Uqeil, Guneid, ihr meine Brüder,
steht mir beim Weinen bei!
Eure Schwester, weh euch, wurde
des Morgens und Abends mit Undank gequält.
Die Fremden lügen, mir hat sich keiner genähert,
denn ich besitze noch einen Kern von Schamgefühl.
Kettet mich an, fesselt mich und
macht mit mir, was immer ihr wollt,
Denn was ihr plant, das hasse ich,
und die Bitterkeit des Todes ist mir süßer geworden.
Führt ihr etwa einen Ritter zu uns,
ihr Söhne von Anmar, ihr Hurensöhne?
O Iyyad, ihr habt eure Schlacht verloren,
und finster ward die Umgebung vor Nieselregen.
Bastarde ihr, ihr solltet Adnans Söhnen
die Gründe der Hoffnung zunichte machen.
Dann folgen Geduld und schöner Trost, nach
jeder Niederlage nämlich hofft man auf einen Sieg.
Sag Adnans Söhnen, ich opfere mich euch, ihr sollt
für der Fremden Söhne wie Schlächter vorbereitet
sein.
Und verteilt die Fahnen auf ihre Plätze im Heer,
zieht die Säbel und macht euch früh auf den Weg.
O ihr Söhne von Tagleb, geht vorwärts, tragt
den Sieg davon und vermeidet Schlaf und
Unachtsamkeit!
Und hütet euch, den Nachkommen und auch
euch selbst Schande zu machen, solange ihr lebt!
ASHRAKA AL-MUHARIBIYA
Ich lief in der Arena der Leidenschaft mit den Liebenden
um die Wette, ich wurde Siegerin und kehrte langsam zurück.
Die Kleider, die die Liebenden an- oder auszogen,
waren solche, die ich schon getragen hatte,
Und das, was sie an Bitterem und Süßem aus dem Kelch
der Liebe tranken, war nur der Bodensatz von dem, was ich
getrunken.
AL-KHANSA
Der Überraschungen voll ist die Zeit, sie ließ
einen Schwanz uns zurück, der Kopf jedoch ist abgetrennt.
Sie ließ uns alles Unbekannte zurück, suchte uns heim
mit dem Tod der Träumenden, die Leichen und Gräber sind.
Die Nacht und der Tag mit ihrem Kommen und Gehen,
sie bleiben stets gleich, doch die Menschen verderben.
Der Sonnenaufgang gemahnt mich an Sakhr,
und bei jedem Sonnenuntergang kommt sein Name
mir in den Sinn.
Wären da nicht die vielen um mich herum, die weinen
um ihre Brüder, so hätte ich mir das Leben
genommen.
Hast du ein Staubkorn im Auge? Tut es
dir weh oder tränt es, weil das Haus verwaist ist?
Denk’ ich an ihn, strömen Tränen aus meinen Augen
und überfluten meine Wangen.
Ich weine tränenreich und schluchzend um Sakhr,
vor mir die Wand aus frisch umgegrabener Erde.
[…]
Und Sakhr war’s, unser Herr und Beschützer,
der, wenn’s Winter wurde, sehr freigiebig war.
Tapfer war Sakhr, wenn sie zum Kampfe aufbrachen,
und hungerten sie, dann schlachtete er Tiere für sie.
Und Sakhr war’s auch, der den Führern ein Wegweiser war,
einem Berge gleich, auf dessen Gipfel Feuer brennt.
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Literaturangaben:
AL-MAALY, KHALID [Hrsg.]: Die Flügel meines schweren Herzens. Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute. Übersetzt aus dem Arabischen von Khalid Al-Maaly. Manesse Verlag, München 2008. 96 S., 9,90 €.
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