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Die geheimen Gespräche der Frauen

Die Kulturgeschichte „Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen“ von Katja Mutschelknaus

© Die Berliner Literaturkritik, 11.12.08

 

Männer hassen ihn in dem Maße, in dem Frauen ihn lieben: den Kaffeeklatsch. Er ist die Königsdisziplin weiblicher Gastlichkeit. Doch woher kommt er? Sprechen Frauen bei Kaffee und Kuchen wirklich nur über Belangloses? In ihrem Buch lüftet die Gourmet-Journalistin Katja Mutschelknaus höchst amüsant den Schleier vieler Klischees, der über dem Kaffeeklatsch schwebt, wie das Milchschaumhäubchen auf dem Cappuccino.

Kaffeeklatsch als weibliche Emanzipation. Ob man es glauben möchte oder nicht: Der Kaffeeklatsch verdankt sich tatsächlich den Männern – und einer weiblichen List. Jahrhunderte lang durften Frauen ohne männliche Begleitung nicht das Haus verlassen. So mussten sie Teestuben und Kaffeehäusern fern bleiben, konnten an politischen Diskussionen nicht teilhaben. Der Mann besuchte das Kaffeehaus, betrieb dort Geschäfte und Politik. Die Frau blieb derweil hinter den Kulissen im heimischen Haus zurück. Aus dieser Not machten die Frauen eine Tugend: Bei Bohnenkaffee, Marmorkuchen und einem Gläschen Likör im heimischen Wohnzimmer besprachen die Frauen Intimes und Brisantes. In jener Männern nicht zugänglichen Gemeinschaft kamen junge Fräuleins, feine Damen oder reifere Frauen auf so manch unkonventionelle Idee.

Das Kaffeekränzchen erzeugte im 18. Jahrhundert aufgrund der herrschenden Moralvorstellungen ein tiefes Misstrauen. Kaffee und sündhafte Erotik galten als eins. Der Kaffee wurde als „Köder der Wolllust“ verurteilt, wie es in einem Polizeischreiben heißt. Natürlich konnten damals nur gestandene Männer mit dieser Versuchung umgehen. Der Grund des Vorurteils: Kaffee wird über Feuer geröstet. Die Vorstellung des Fegefeuers als hell loderndes Feuer war im 18. Jahrhundert in allen Köpfen präsent. Also machte man folgende Gleichung auf: Kaffee = Rösten = heiß = Sex = Sünde = Fegefeuer. Wer ins Fegefeuer kam, der hatte so einige Todsünden auf dem Kerbholz. Drei von ihnen leistete der  Kaffeeklatsch nach damaliger Auffassung Vorschub: Völlerei, Zügellosigkeit und Trägheit des Geistes. Dieses Bild sitzt oft heute noch in den Köpfen fest.

Wie zum Kaffee die richtige Tasse gehört, gehört zu einem „richtigen“ Kaffeeklatsch natürlich auch ein passendes Service. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war Porzellan nur in königlichen oder adeligen Hauhalten zu finden, dann trat es aber auch in bürgerlichen Haushalten seinen Siegeszug an. In Vitrinen wurde das teure und so genannte „gute“ Porzellan ausgestellt. Dazu zählten auch Sammeltassen, denn Porzellan war teuer. Noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bekamen Mädchen von ihrer Patentante oder ihren Freundinnen zum Geburtstag eine Tasse mit Untertasse, bis das Service komplett war.

Worüber wird am Kaffeetisch gesprochen? So banal sie klingt, beschäftigte diese Frage bereits Generationen von Männern. Sie pressten ihr Ohr daheim an die geschlossene Wohnzimmertür, diskreditierten Frauen oder hatten ein diffuses Unbehagen, wenn sie Frauen in Cafés sehen. So heißt es noch in den 1990er Jahren: „Mich erschreckt doch nur, wenn ich diese Kaffeemädchen seh’, die sitzen an den Kaffeetischen, mischen sich in alles ein, mit vielen Worten inmitten von tausend Sorten Torten“. Vom „vielen und unnützen Reden“ („Klatschen“) leitet sich auch das Wort „Kaffeeklatsch“ her.

Doch worüber reden Frauen nun, wenn sie sich beim Kaffee treffen? Natürlich über Frauenthemen. Wurden früher Neuigkeiten über Verwandte und Freundinnen ausgetauscht, Tipps zur Haushaltsführung gegeben, Kosmetik und Kindererziehung zur Sprache gebracht, wird heute durchaus über Themen gesprochen, die die traditionelle weibliche Rollenzuweisung durchbrechen. Die Frauen unterhalten sich auch über gerechte Entlohnung, Verhalten als Chefin und Versorgung der Familie.

Katja Mutschelknaus zeichnet in ihrem Buch „Kaffeeklatsch“ die Entwicklung der „Stunde der Frauen“ minutiös nach. Zitate aus alten Schriften laden zum Schmunzeln ein, viele Abbildungen verdeutlichen die einzelnen thematischen Aspekte des gut gegliederten Bandes. Es ist ein schönes, kurzweiliges Buch, in dem man gern gemeinsam mit seinen liebsten Freundinnen beim Kaffeeklatsch blättern kann.

Von Karin Istel

Literaturangaben:
MUTSCHELKNAUS, KATJA: Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen. Elisabeth Sandmann Verlag, München 2008. 144 S., 19,95 €.

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