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Die Hölle von Darfur

Das Sachbuch „Halima – Mein Weg aus der Hölle von Darfur“ von Halima Bashir

© Die Berliner Literaturkritik, 29.10.08

 

MÜNCHEN (BLK) – Das Sachbuch „Halima – Mein Weg aus der Hölle von Darfur“ ist im September 2008 bei Droemer erscheinen.

Klappentext: „Darfur. Ein Wort, das mit Blut und Leiden getränkt ist. Ein Begriff, der schrecklichste Bilder heraufbeschwört. Schmerzen und Grauen, die in der zivilisierten Welt unvorstellbar wären. Aber für mich ist Darfur auch noch etwas anderes: Es ist meine Heimat.“ Halima Bashir, eine junge Ärztin aus dem Sudan, legt Zeugnis ab. Als Halima 1979 zur Welt kommt, träumt ihr Vater, dass sein Kind heilende Kräfte haben wird – und tatsächlich gelingt es Halima als erster Vertreterin ihres Stammes, an einer arabischen Universität Medizin zu studieren. Doch kaum beginnt sie zu praktizieren, greifen die im Sudan schwelenden Konflikte auf die Darfur-Region über. Die Gewalttaten der arabischen Milizen erreichen einen grausamen Höhepunkt, als im Januar 2004 eine ganze Schulklasse achtjähriger Mädchen gefangengenommen und missbraucht wird. Halima behandelt die traumatisierten Kinder und schlägt öffentlich Alarm – bei der UN und bei den Medien. Von da an wird ihr Leben zur Hölle. Verhaftungen, Folter, Vergewaltigung folgen. Halimas Dorf wird dem Erdboden gleichgemacht, ihr Vater ermordet. Sie muss das Land verlassen – aber wie? Mit dem Mut der Verzweiflung und gegen alle Wahrscheinlichkeit schafft sie die Flucht nach London. Und bricht nun zum zweiten Mal ihr Schweigen, um der Welt von Darfur zu erzählen.

Halima Bashir, geboren 1979 als eine Tochter des halbnomadischen Zaghawa-Stammes, hatte eine erfüllte Jugend, die sie stark machte für die unmenschlichen Herausforderungen ihres Erwachsenenlebens. Als die Situation in ihrem Land unerträglich wurde, heiratete sie per Telefon einen in London lebenden Cousin, zu dem sie floh und mit dem sie heute zwei kleine Kinder hat.

Leseprobe:

©Droemer Sachbuch©

Halima

Mein Weg aus der Hölle von Darfur

Dies ist eine wahre Geschichte. Sie umfasst die Zeit zwischen meinem Geburtsjahr, 1979, und der Gegenwart. Der Sudan, der größte Staat Afrikas, befindet sich seit Jahrzehnten im Kriegszustand. Zahlreiche Konflikte drohen das von Sklaverei, Stammeskämpfen, Religionskriegen sowie von Übergriffen durch ausländische Mächte gequälte Land zu zerreißen. Seit einigen Jahren stehen sich der Süden und der Norden des Landes kriegerisch gegenüber. Das im Norden, von Khartoum aus herrschende Regime versuchte, im Süden eine arabistische, islamistische Politik durchzusetzen – dort, wo größtenteils moderat moslemische, christliche und animistisch orientierte Schwarzafrikaner leben. Die Stämme im Süden schlossen sich zur „Rebellengruppe“ Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA – Sudan People’s Liberation Army) zusammen, um Widerstand zu leisten und um ihr Überleben zu erkämpfen. Nach jahrzehntelangem entsetzlichem Blutvergießen rangen sich der Norden und der Süden im Jahr 2004 zu einem Friedensabkommen durch. Die im Westen Sudans gelegene Region Darfur wurde jedoch in diesen Friedensschluss bedauerlicherweise nicht miteinbezogen. Darfur ist ein 500.000 km2 großes, von Halbwüste geprägtes Gebiet; die Region weist annähernd die Fläche Frankreichs auf. Im Jahr 2003 entstand dort die Sudanesische Befreiungsarmee (SLA – Sudan Liberation Army), eine von zahlreichen Rebellengruppen, die in Darfur zu den Waffen griffen. Wie die Bevölkerung des gesamten Südens bestehen auch die Gruppen der Aufständischen zum größten Teil aus Schwarzafrikanern. Sie kämpfen gegen die vernichtende Herrschaft des Regimes in Khartoum. Darfur wurde durch die Kämpfe besonders stark verwüstet. Hunderttausende Menschen wurden getötet, Millionen landeten in Flüchtlingslagern. Durch das Verfassen dieses Buches habe ich meine Familie und mich selbst einem großen Risiko ausgesetzt, weil ich darin in meiner Heimat begangene Kriegsverbrechen beschreibe und die Mächte benenne, die für diese Greueltaten verantwortlich sind. Ich weiß nicht, welche Angehörigen meiner Familie – seien es meine Eltern und Geschwister oder weiter entfernte Verwandte – noch am Leben sind, und ich weiß auch nicht, wo sie sich befinden. Sollten sie überlebt haben, halten sie sich vielleicht irgendwo in Darfur auf oder sind im ganzen Sudan verstreut; oder aber sie hausen in Flüchtlingslagern im Tschad. Zum Schutz derjenigen, die vielleicht noch leben, habe ich die Personen- und Ortsnamen in diesem Buch verändert. Es geschah, um die Sicherheit von Verwandten, Freunden und ganzen Gemeinwesen zu gewährleisten; hätte ich es nicht getan, würde die Reaktion auf meine freimütigen Äußerungen für diese Menschen sehr gefährlich werden. Abgesehen davon gibt es in meinem Stamm, dem Stamm der Zaghawa, und überhaupt in Darfur eine ungeschriebene Verhaltensregel, die besagt, dass Frauen, die eine Vergewaltigung erlitten haben oder denen irgendeine andere „Schande“ zugefügt wurde, das Erlittene nicht öffentlich machen bzw. öffentlich darüber reden dürfen. Wer es dennoch tut, bringt dem allgemeinen Verständnis nach sogar noch mehr Schande über sich selbst, über die Familie und den gesamten Stamm. Zum Glück beginnen sowohl Zaghawa-Frauen als auch andere Frauen in Darfur allmählich das Schweigen zu brechen, auch wenn alte Traditionen und Regeln schwer zu überwinden sind. Vor allem in den Flüchtlingslagern, in denen bis zum heutigen Tag Hunderttausende grauenhaft missbrauchter Frauen leben, sprechen mehr und mehr Darfuri-Frauen über das, was ihnen angetan wurde.

©Droemer Sachbuch©

Literaturangaben:
BASHIR, HALIMA/LEWIS, DAMIEN: Halima – Mein Weg aus der Hölle von Darfur. Droemer Sachbuch, München 2008. 424S., 19,95 €.

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