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„Die komische Frau“ von Ricarda Junge

Geister aus der DDR-Vergangenheit

© Die Berliner Literaturkritik, 12.08.10

Von Frauke Kaberka

Sie ist ein Gespenst, „Die komische Frau“. Daran lässt die Autorin des gleichnamigen Romans, Ricarda Junge, keinen Zweifel. Folgerichtig geht es durchaus unheimlich zu in ihrem neuen Buch. Nicht nur die komische Frau spukt in dem monströsen Bau der Berliner Karl-Marx-Allee, sondern noch einige Geister aus der DDR-Vergangenheit. Und diese haben es auf eine Frau aus Westdeutschland abgesehen, die es gewagt hat, sich hier, im Herzen der ehemaligen Hauptstadt der DDR, einzunisten und alte Kreise zu stören.

Lena heißt die junge Mutter, die mit Mann und Sohn Hamburg den Rücken gekehrt und nach kurzer Suche eine Wohnung in dem Berliner Prunkstück stalinistischer Architektur gefunden hat. Dass die meisten (alten) Hausbewohner eine verschworene Gemeinschaft bilden, merkt Lena ziemlich schnell. Doch zunächst will sie nicht wahrhaben, dass in ihrem Heim seltsame Dinge passieren, nachdem sie sich von ihrem Lebensgefährten getrennt hat.

Das Sujet ist ganz verheißungsvoll: Waschmaschinen laufen aus heiterem Himmel aus, nicht angezündete Kerzen brennen, die ausgestellte Kaffeemaschine läuft, geschlossene Fenster sind plötzlich offen, eine Herdplatte beginnt zu glühen. Und Söhnchen Adrian fürchtet sich zunehmend vor der anscheinend immer anwesenden komischen Frau. Die handfeste Lena sucht nach einleuchtenden Erklärungen - und findet sie nicht wirklich.

Um es gleich vorwegzunehmen: Eine schaurige Mär à la Stephen King ist nicht zu erwarten. Und auch der Leibhaftige hat hier nicht seine Hände im Spiel, es sei denn, man setzt ihn mit alten DDR-Seilschaften gleich. Denn darauf läuft die politisch angehauchte Story hinaus. Die Idee ist nicht schlecht, doch bleibt das Ergebnis unfertig. Hier passt einiges nicht zusammen, was zusammen gehört. Die Aussage bleibt verschwommen. Die Figuren sind unscharf und teilweise überflüssig.

Hinzu kommen kleine Schnitzer: Das Emblem der DDR bestand neben dem Ährenkranz aus Hammer und Zirkel - und nicht aus Hammer und Sichel. Letztere waren der Sowjetunion vorbehalten. Die komische Frau ist ein seltsames Buch. Und trotzdem ganz unterhaltsam.

Literaturangaben:

JUNGE, RICARDA: Die komische Frau, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010, 190 S., 17,95 €.

Weblink:

S. Fischer Verlag

 

 


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