BERLIN (BLK) – Gay Taleses Mafiaepos „Ehre deinen Vater“ ist im Juni 2008 beim Rogner & Bernhard Verlag erschienen.
Klappentext: 1971 veröffentlichte Gay Talese mit „Ehre deinen Vater“ die erste Schilderung aus dem Inneren der Mafia. Es ist die Geschichte der Familie Bonnano, die in den sechziger Jahren die Unterwelt New Yorks dominierte. Taleses Erzählung beginnt an einem regnerischen Tag im Jahr 1964, als Bills Vater Joseph Bonnano spurlos verschwindet, sie schildert den „Bananenkrieg“, eine brutale Fehde innerhalb der Mafia, und reicht zurück bis zu den Ursprüngen der Familie in den sizilianischen Bergen. Talese gelang es als erstem Außenstehenden, ein Vertrauensverhältnis zu einem Mafiaboss aufzubauen. Er begleitete ihn sechs Jahre lang, sprach mit den Mitgliedern des Clans und reiste bis nach Sizilien, um die Wurzeln seiner Charaktere zu erkunden. Mit zeitloser Meisterschaft erzählt er eine wahre Geschichte, die spannender ist als jede Fiktion.
Gay Talese, geb. 1932 in Ocean City, New Jersey, arbeitete nach seinem Journalismus-Studium zunächst für die "New York Times". Um mehr Zeit und Platz für seine Geschichten zu haben, verließ er die Zeitung und begann in den Sechzigerjahren für "Esquire" und andere Magazine zu schreiben. Er gehört mit Tom Wolfe, Hunter S. Thompson und Truman Capote zu den wichtigsten Vertretern des New Journalism. Seine Reportagen und Bücher sind Klassiker. Gay Talese lebt und arbeitet in New York.
(jud)
Leseprobe:
©Rogner & Bernhard Verlag©
Die Hochzeit am 18. August 1956 war ein gesellschaftliches Ereignis. Mehr als 3000 Gäste nahmen an dem Empfang teil, der nach der in Brooklyn vollzogenen kirchlichen Trauung im Ballsaal des New Yorker Hotels Astor stattfand und bei dem keine Kosten gescheut wurden. Führende Orchester waren engagiert, ein Großhändler aus Brooklyn schickte als Geschenk eine Lastwagenladung Champagner und Wein, und über speziellen Auftrag hatte die PANAM auf dem Luftweg aus Kalifornien Tausende Maßliebchen heranbefördert, da Rosalies Lieblingsblumen damals in New York nicht erhältlich waren. Die Gästeliste verzeichnete außer den legalen Geschäftsfreunden, den Politikern und dem römisch-katholischen Klerus alle Spitzen der Unterwelt. Vito Genovese und Frank Costello waren da, sie hatten unauffällige Tische an der Wand erbeten und auch erhalten. Man sah Albert Anastasia (es war ein Jahr vor seiner Ermordung im Friseurladen des Park-Sheraton-Hotels), ebenso Joseph Barbara, dessen Barbecue-Party für fast siebzig Mafiosi auf seinem Besitz Apalachin drei Wochen nach dem Mord empfindlich gestört wurde, was sensationelle Enthüllungen und endlose Nachforschungen zur Folge haben sollte. Joseph Zerilli war mit seinen Leuten aus Detroit gekommen. Stefano Magaddino, der behäbige alte Don aus Buffalo, Joseph Bonnanos Vetter, hatte einen Ehrentisch beim Podium, und in seiner Nähe saßen andere Verwandte und enge Freunde der Bonnanos und der Profacis. […] Bill, der lächelnd an der Seite seiner Braut stand und höflich sein Glas erhob, wenn ihm jemand zutrank, dachte während jenes Abends oft daran, was das FBI dafür geben würde, wenn es die Gästeliste in die Hand bekäme.
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Literaturangaben:
TALESE, GAY: Ehre deinen Vater. Aus dem Englischen von Gunther Martin. Rogner & Bernhard, Berlin 2008. 536 S., 24,90 €.
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