HEIDELBERG (BLK) - Der mit 15.000 Euro dotierte Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil geht in diesem Jahr an den russischen Autor Oleg Jurjew. Seine in Deutschland verfassten Werke zeichnen sich „durch ein hohes poetisches Potenzial aus“, wie die Jury in der Begründung schrieb. „Er bewahrt Aspekte jüdischer Identität, indem er sie durch Sprache neu erschafft.“ Jurjew lebt und arbeitet als Dramatiker und Lyriker in Frankfurt am Main. Bekanntgeworden ist er mit Suhrkamp-Romanen wie „Die russische Fracht“ und „Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise“.
Der 1959 im damaligen Leningrad geborene Schriftsteller wird den Hilde-Domin-Preis am 26. Oktober entgegennehmen, wie die Stadt mitteilte. Jurjew kam 1991 nach Deutschland, um sich den Einschränkungen für Autoren in der Sowjetunion zu entziehen. Als Jude sei er dort nicht zu seinem Wunschstudium Literatur zugelassen worden, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Später bewegte er sich in der inoffiziellen Schriftsteller-Szene.
Der Preis Literatur im Exil wurde 1992 von der Stadt Heidelberg gestiftet, zum 80. Geburtstag von Hilde Domin. Er wird alle drei Jahre an Autoren vergeben, die selbst im Exil oder als Nachfahren von Exilanten in Deutschland leben und in deutscher Sprache publizieren. Neben Domin selbst gehören zu den bisherigen Preisträgern der Bosnier Stevan Tontic, der Algerier Hamid Skif oder der Deutsch-Iraker Sherko Fatah.
Hilde Domin starb 2006 im Alter von 96 Jahren in Heidelberg. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen der Nachkriegszeit. Die gebürtige Kölnerin Domin hatte während der Nazi-Diktatur in der Dominikanischen Republik im Exil gelebt. (dpa/guz)
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