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Edition Epoca

Ein kleiner Zürcher Verlag mit erlesenem Programm

Von: URS HEINZ AERNI - © Die Berliner Literaturkritik, 25.11.03

 

ZÜRICH -- "Edition Epoca" bereichert Buchregale seit 1995 mit neuen und schönen Titeln. Und das in einem unscheinbaren Haus, in nicht gerade luxuriösen Büros. Die Stühle sind schon hundert Mal mit Klebbändern geflickt und die Spanplatte löst sich vom Schreibtisch. Aber darauf soll es nicht ankommen. Während Schweizer Verlage mit Sitz in Zürich eher auf der mit Abendsonne beschienenen Seite der Stadt residieren, fühlt sich "Epoca" hier zwischen den brausenden Transitstrassen wohl. Das Stadtquartier, namens Wiedikon, war schon immer sein Wohnort, sagt Adrian Stokar und sein Geschäftspartner Urs Kummer habe ebenso mal hier gewohnt. Sie sehen keinen Grund, woanders das Verlagsgeschäft zu führen.

Das Buchprogramm von "Epoca" besteht aus Belletristik und Sachbüchern, liebevoll gestaltet und einen guten Ruf genießend. Erst wenn sich jeweils die beiden einig sind, geht es an die Verarbeitung des vorliegenden Manuskripts oder an die Übersetzung des englischen Originals. Auf die Frage, ob sie sich wieder aus der heutigen Sicht für diesen Weg entscheiden würden, antwortet Adrian Stokar mit "sofort".

Alles läuft sauber

Urs Kummer verdient nach Zeiten im Buchhandel Geld mit einem 60-Prozent-Job beim Schweizer Fernsehen und Adrian Stokar widmet sich nebst kleinen Nebenaufträgen voll und ganz dem Verlag. Mit Ausbildungshintergrund der Sozialwissenschaften lernte er seinen humorvollen Kollegen kennen und beide wussten, dass sie in die Welt der Bücher gehörten und gründeten vor acht Jahren diesen Verlag. Eine großzügige Erbschaft seitens Adrian Stokar federt die Risikofreude ab ... bis jetzt.

Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass die Buchbranche buchhalterisch mit keinem anderen Wirtschaftsbereich verglichen werden darf und so erstaunt die Aussage Adrian Stokars nur den Outsider wenn er zugibt, seit acht Jahren an die beiden Gesellschafter keinen Lohn ausbezahlt zu haben. Zum sprudelnden Herzblut gehöre auch das Verantwortungsgefühl gegenüber den Autoren. Man könne nicht dieses oder jenes Buch realisieren und dann den Abschiedsbrief schicken. Adrian Stokar lehnt sich in seinem klapprigen Bürostuhl zurück und gibt deutlich zu verstehen, dass alles - inklusive Autorenhonorare - "sauber läuft".

Tops und Flops

Spricht man die Zukunft an, so ist sie für "Epoca" allein dank dem Schriftsteller P. G. Wodehouse noch lange erhalten. Sechzig Romane von ihm warten noch auf die Übersetzung ins Deutsche. "Apropos Wodehouse", hakt Adrian Stokar ein, "... in Deutschland wird er gekauft, gelesen und geliebt während in der Schweiz die Nachfrage rätselhaft minim ist". Das Warum könne bis dato noch niemand erklären. Ist die lesende Schweiz auch ein Sonderfall?

Gewisse gesellschaftliche und wirtschaftliche Tendenzen berühren auch diesen Verlag. Weh tun die Sparübungen in der Presse. Kulturbünde würden dünner und Buchbesprechungen rarer. Parallel dazu erfreut die Event-Kultur mit Lesungen an denen das Buch wieder seinen Platz im Rampenlicht findet. Selbstverständlich feiert "Epoca" nicht nur erfolgreiche Bücher auch wenn Flops im klassischen Sinne keine zu beklagen seien. Das Buchverlegen sei eben ein unberechenbares Geschäft. Adrian Stokar steht auf, marschiert in den Nachbarraum, kommt mit einem Buch in der Hand zurück und legt es auf den Tisch: "Die Beschiessung des Botanischen Gartens", geschrieben vom amerikanischen Schriftsteller Donald Antrim. Es sei ein witzig-makabres Schauspiel über das Kleinbürgertum aber hierzulande löste es kaum Resonanz aus. Keiner der beiden Herren bei "Epoca" hätten mit einem solchen Desinteresse gerechnet. Dabei bekäme man für das gute Geld nicht nur eine originelle Geschichte geliefert, sondern auch die Aufmachung stimmt; Fadenheftung mit Lesebändchen. Ein Service, bei dem andere Verlage zu sparen beginnen. Das Auge liest eben mit.

Beim Abschied lassen beide fast im Chor verlautbaren, dass sie leider keine Lehrlinge oder Praktikantinnen annehmen könnten, sie hätten schlicht zu wenige Bürostühle. Und ob die vorhandenen unfallversicherungstauglich sind, müsste noch geklärt werden.

Zum Verlag:

Urs Heinz Aerni ist Journalist. Er berichtet für dieses Literatur-Magazin aus der Schweiz


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