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Ein erschütterndes Geheimnis

Nicholas Sparks mitreißende Liebesgeschichte

© Die Berliner Literaturkritik, 15.08.11

MÜNCHEN (BLK) – Der Roman „Zeit im Wind“ des amerikanischen Schriftstellers Nicholas Sparks ist im August 2011 im Heyne Verlag in 2. Auflage als Taschenbuch herausgebracht worden. Die deutsche Übersetzung hat Susanne Höbel übernommen.

Klappentext: Es ist das letzte Highschool-Jahr für den draufgängerischen, überall beliebten Landon, als er sich beim Schulball notgedrungen mit der Außenseiterin Jamie arrangieren muss. Vollkommen überraschend aber wandelt sich Landons anfängliche Herablassung Jamie gegenüber, sobald er sie näher kennenlernt, und eine zarte erste Liebe erwächst. Allzu schnell ziehen Schatten über dem jungen Glück auf, als Jamie Landon ihr lang gehütetes erschütterndes Geheimnis preisgibt. Er wehrt sich mit allen Mitteln gegen das scheinbar Unabwendbare: Er ist bereit, alles für seine große Liebe zu tun.

Nicholas Sparks wurde 1965 in Nebraska geboren. Mit seinen Romanen, die ausnahmslos die Bestsellerlisten eroberten und weltweit in 47 Ländern erscheinen, gilt Sparks als einer der meistgelesenen Autoren der Welt. Mehrere seiner Bestseller wurden erfolgreich verfilmt. Alle seine Bücher sind bei Heyne erschienen, zuletzt „Mit dir an meiner Seite“. Sparks lebt zusammen mit seiner Frau und fünf Kindern in North Carolina.

Leseprobe:

©Heyne©

Kapitel 1

1958 war Beaufort, North Carolina – es liegt an der Küste in der Nähe von Morehead City –, ein Städtchen wie viele andere im Süden auch. Im Sommer war hier die Luftfeuchtigkeit so hoch, daß man sich jedesmal, wenn man die Post hereinholte, so fühlte, als käme man gerade aus der Dusche, und die Kinder liefen von April bis in den Oktober hinein barfuß unter Eichen herum, die mit Louisiana-Moos bewachsen waren. Die Leute winkten von ihren Autos aus jedem zu, den sie sahen, auch wenn sie ihn nicht kannten, und die Luft roch nach Kiefern, Salz und Meer in einer Mischung, die einzigartig für die Carolina-Staaten war. Für viele Menschen war der Fischfang im Pamlico Sound oder das Krabbenfischen im Neuse River ihr Lebensinhalt, und wo immer man auf den Intracoastal Waterway stieß, sah man vertäute Boote liegen. Im Fernsehen konnte man nur drei Sender empfangen, aber das Fernsehen hatte für uns, die wir hier aufwuchsen, nie eine besonders große Bedeutung. Unser Leben spielte sich statt dessen um die Kirchen herum ab, von denen es allein innerhalb der Stadtgrenzen achtzehn gab. Sie hatten klangvolle Namen wie Gemeinde gläubiger Christen, Kirche der Vergebung Empfangenden und Kirche der sonntäglichen Sühne, und dann gab es die Baptisten-Kirchen. In meiner Kindheit war das bei weitem die beliebteste Konfession im ganzen Umkreis, und es gab Baptisten-Kirchen an fast jeder Straßenecke, von denen sich jede allen anderen überlegen fühlte. Es gab Baptisten-Kirchen jeglicher Beschreibung – Baptisten des freien Willens, Südstaaten-Baptisten, Baptisten des Südens, Freie Baptisten, Missionarische Baptisten, Unabhängige Baptisten… na, man kann sich leicht ein Bild machen.

  Damals wurde das große Ereignis des Jahres von der Baptisten-Kirche in der Stadt – den Baptisten des Südens, genauer gesagt – zusammen mit der High School auf die Beine gestellt. Jedes Jahr inszenierten sie ein Krippenspiel im Beaufort Playhouse. Eigentlich war es ein Theaterstück, das Hegbert Sullivan geschrieben hatte, der Pfarrer der Kirche, der dieses Amt mindestens seit der Zeit, als Moses die Israeliten durch die Wüste geführt hatte, ausübte. Na gut, vielleicht war er nicht ganz so alt, aber er war so alt, daß seine Haut fast durchsichtig war – die Kinder behaupteten steif und fest, sie könnten das Blut in seinen Adern fließen sehen. Irgendwie war sie immer auch etwas feucht, und sein Haar war so weiß wie das Fell der Kaninchen, die zu Ostern in den Tierhandlungen zu haben sind.

  Also, er hatte das Stück geschrieben – es hieß DER WEIHNACHTSENGEL –, weil er nicht immer den alten Dickens-Klassiker „Ein Weihnachtslied“ aufführen wollte. Seiner Ansicht nach war Scrooge ein Heide, der nur deswegen auf den richtigen Weg gebracht wurde, weil er Geister sah, und keine Engel, doch wer konnte schon genau wissen, ob sie wirklich von Gott gesandt waren? Und wer konnte wissen, ob er nicht sein altes, sündiges Leben wiederaufnehmen würde, wenn sie nicht direkt vom Himmel kamen? In dem Stück erfährt man das am Schluß nicht richtig – es geht dabei um Gottvertrauen –, und Hegbert traute den Geistern nicht, wenn sie nicht von Gott kamen, und weil das nicht klipp und klar gesagt wurde, hatte er seine Probleme mit dem Stück. Ein paar Jahre zuvor hatte er das Ende umgeschrieben, hatte sozusagen seinen eigenen Schluß angehängt, in dem Scrooge Prediger wird und sich auf den Weg nach Jerusalem macht, wo er den Ort finden will, an dem Jesus die Schriftgelehrten unterrichtet hatte. Das kam nicht besonders gut an – auch nicht bei der Gemeinde, die dem Stück mit weit aufgerissenen Augen folgte, und in den Zeitungen stand danach ungefähr: „Obwohl es natürlich interessant war, so war es doch nicht das Stück, das wir alle kennen und lieben gelernt haben…“

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  Also versuchte Hegbert es mit einem Stück aus eigener Feder. Er hatte sein Leben lang seine Predigten selbst geschrieben, von denen manche, das mussten wir zugeben, wirklich spannend waren: besonders die, in denen er davon sprach, daß sich „der Zorn Gottes über die Unzuchttreibenden ausgießen werde“, und solche aufregenden Dinge. Ich muß schon sagen, das brachte sein Blut mächtig in Wallung, wenn er von den Unzuchttreibenden sprach. Das war ein heißes Thema für ihn. Als wir noch jünger waren, haben meine Freunde und ich uns im Gebüsch versteckt und gerufen: „Hegbert ist ein Unzuchttreibender“, wenn wir ihn auf der Straße sahen, und dann haben wir wie die Blöden gekichert, als wären wir die witzigsten Wesen unter der Sonne.

  Und Hegbert, der Alte, blieb dann wie angewurzelt stehen. Seine Ohren richteten sich auf – sie bewegten sich wirklich, kein Witz –, dann lief er dunkelrot an, als hätte er gerade Benzin getrunken, und seine dicken, grünen Adern am Hals und überall schwollen so stark an, daß sie aussahen wie der Amazonas auf den Landkarten in der Zeitschrift National Geographic. Er blickte von rechts nach links, seine Augen wurden kleine Schlitze, während sie uns zu erspähen versuchten, und dann wurde er ganz plötzlich wieder blaß und kriegte wieder das fischige Aussehen, genau vor unseren Augen. Junge, war das ein Anblick!

  Wir versteckten uns also hinter einem Baum, und Hegbert (welche Eltern nennen eigentlich ihr Kind Hegbert?) wartete, daß wir uns ergeben würden, als hielte er uns für so dumm. Wir preßten die Hände auf den Mund, um nicht laut loszulachen, aber irgendwie entdeckte er uns jedesmal. Eine Weile guckte er von einer Seite zur anderen, plötzlich hielt er den Kopf still, und seine knopfartigen Augen sahen uns direkt an, durch den Baum hindurch. „Ich kenne dich, Landon Carter“, sagte er dann, „und der Herr kennt dich auch.“ Das ließ er einen Moment lang wirken, bis er sich endlich wieder in Bewegung setzte. Bei der Predigt am Sonntag darauf richtete er den Blick genau auf uns und sagte: „Gott ist barmherzig zu den Kindern, aber die Kinder müssen sich dessen auch wert erweisen.“ Und wir rutschten auf unserer Bank tiefer, nicht aus Scham, sondern damit er nicht merkte, daß wir erneut losprusteten. Hegbert konnte nichts mit uns anfangen, was eigentlich ein bißchen komisch war, wo er doch auch ein Kind hatte. Das war allerdings ein Mädchen. Mehr darüber später.

©Heyne©

Literaturangabe:

SPARKS, NICHOLAS: Zeit im Wind. Aus dem Amerikanischen von Susanne Höbel. Heyne Verlag, München 2011. 240 S., 8,99 €.

Weblink:

Heyne


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