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Ein guter Tropfen, aber kein Gaumenschmaus

Noah Gordons neuer Roman „Der Katalane“

© Die Berliner Literaturkritik, 11.08.08

 

Von Heike Sonnberger

Katalonien im Jahr 1874: Josep Àlvarez kehrt als einziger noch lebender Zeuge eines Attentats auf Spaniens Ministerpräsidenten in sein Heimatdorf zurück. Dort übernimmt er das Weingut des verstorbenen Vaters in einer Region, in der die Winzer aus Trauben nur Essig gewinnen. Josep hat die vergangenen vier Jahre im französischen Exil verbracht und dort die Kunst des Weinbaus erlernt. Jetzt will er seine Fähigkeiten auf dem dürren Acker seiner Ahnen unter Beweis stellen.

Der amerikanische Bestseller-Autor Noah Gordon, der mit dem Roman „Der Medicus“ in den 80er Jahren berühmt wurde, hat sein neues Buch „Der Katalane“ ganz der spanischen Weinkultur gewidmet. Hauptfigur Josep ist seitenlang damit beschäftigt, die Reife der Trauben zu prüfen, faule Fässer auszubessern und einen unterirdischen Lagerraum zu graben. In seiner Nachbarin Maria del Mar findet er eine Gleichgesinnte, mit der er in trautem Takt Reben aberntet und Beeren stampft.

Der inzwischen 81-jährige Autor scheint von der Weinproduktion des 19. Jahrhunderts so fasziniert, dass er den zweiten Handlungsstrang darüber ganz vergisst. Und so erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten wieder etwas über die dunklen Schatten des politischen Attentats, in das Josep in seiner Jugend verwickelt war.

Doch selbst dann ist die Rückkehr des Bösewichts in Joseps Dorf, um ihn als Zeugen endlich auszuschalten, reichlich unspektakulär. Denn das erwartete Duell kommt nicht zustande, und Joseps Aufgabe ist am Ende lediglich die mühsame Beseitigung der Leiche. Das tut er gewissenhaft und wendet sich danach wieder seinen Trauben zu.

Spannung kommt in der Geschichte kaum auf, da sich Gefahr zwar einige Male am Horizont zusammenbraut, aber nie so nah heranzieht, dass der Leser eine Gänsehaut bekommt.

Auch das Gefühlsleben Joseps bleibt abstrakt und wird nicht wirklich erlebbar. Dazu sind seine Ängste, Sorgen und Freuden nicht eindringlich genug beschrieben und sein Charakter nicht konsequent genug gezeichnet. Wer einen Epos wie den „Medicus“ oder den „Schamanen“ erwartet, wird von der oberflächlichen Leichtigkeit der Geschichte enttäuscht sein.

Weinfreunde allerdings kommen bei dieser liebevollen Hommage an ein exquisites Handwerk auf ihre Kosten. Auch katalanische Dorfbräuche und historische Details hat der Autor aufmerksam und unterhaltsam in den Roman einfließen lassen. Ein Buch wie ein gefälliger Wein, den man schlückchenweise beim Essen nippt. Doch kein Tropfen, der vollmundig im Gaumen erblüht.

Literaturangaben:
GORDON, NOAH: Der Katalane. Blessing Verlag, München 2008. 496 S., 19,95 €.

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Noah Gordon im Interview


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