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Ein Pinguin erobert den Büchermarkt

Gibt es für den Pinguin im Zeitalter von Internet und E-Books noch eine Chance?

© Die Berliner Literaturkritik, 10.08.10

Von Britta Gürke

LONDON (BLK) - Glaubt man der Firmen-Chronik des Penguin Verlags, war die Erfindung des Taschenbuchs für jedermann aus der Not geboren. Verleger Sir Allen Lane war gerade auf dem Rückweg von Krimi-Queen Agatha Christie, stand am Bahnsteig in der englischen Stadt Exeter und langweilte sich. Da ging er an den Bahnhofskiosk und fand dort nur Klatschmagazine und Viktorianische Romänchen.

„Qualitätsliteratur sollte man überall kaufen können, und sie sollte nicht teurer als eine Packung Zigaretten sein“, soll Lane sich so ungefähr gedacht haben. Wenige Monate später, im Sommer 1935, kamen die ersten Bücher des Penguin Verlags auf den Markt - schon
damals mit dem Logo „Pinguin in einem Oval“. Die Idee verbreitete sich bald weltweit, vor allem nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab es kein Halten mehr. In Deutschland etwa gehörte Rowohlt in den 1940er Jahren zu den Vorreitern des modernen Taschenbuches.

„Als Allen Lane Penguin 1935 gründete, hatte er eine sehr simple, aber ziemlich radikale Idee: große Literatur für jeden und zu niedrigen Preisen verfügbar machen“, sagte der heutige Verlagschef John Makinson im Interview mit dem Sender BBC. Taschenbücher gab es selbstverständlich auch schon vorher. Jahrzehnte vor dem Auftauchen des Pinguins waren auch bereits Klassiker außerhalb von festen Buchdeckeln erschienen. Doch erst mit Penguin wurden wirklich die Massen erfasst.

Während die Weltwirtschaftskrise über dem Land hing und sich die Massenkultur in vielen Bereichen immer weiter ausbreitete, wurden alleine im ersten Jahr drei Millionen Penguin-Taschenbücher verkauft. Der Preis war anfangs tatsächlich der einer Schachtel Zigaretten: Sechs Pence. Neben dem Preis und der Qualität des Inhalts spielte von Anfang an auch das Design eine Rolle. Zur Gestaltung des Logos wurde laut offizieller Firmengeschichte ein 21 Jahre alter Mitarbeiter mit Block und Stift in den Londoner Zoo geschickt, um sich dort Ideen am Pinguin-Becken zu holen.

Die ersten Bücher erschienen in einem strengen Design. In der Mitte stand der Titel, oben und unten gab es jeweils nur eine Farbe. Orange stand für Fiktion, Blau für Biografien, Grün für Krimis. Über die Jahrzehnte wurde die Gestaltung auch mal ausgefallener, so dass einige Titel heute zu Klassikern der Umschlaggestaltung gehören.

Natürlich gab es am Anfang auch viel Kritik an den Massen-Büchern. George Orwell etwa soll andere Verleger aufgefordert haben, sich gegen den Pinguin zu verbünden. Autor Bernard Shaw hingegen kommentierte: „Wenn ein Buch gut ist - umso besser, je billiger man es haben kann.“

Heute lernen deutsche Leser Penguin spätestens im Leistungskurs Englisch in der Oberstufe kennen. Ein Blick in die Firmengeschichte ist auch einer in die Literaturgeschichte. Zu den ersten Autoren gehörten Ernest Hemingway und Agatha Christie. Später kamen D.H. Lawrence und Salman Rushdie dazu. In Großbritannien, den USA und einigen weiteren Ländern gehört der Verlag heute zu den Marktführern.

Doch gibt es für den Pinguin im Zeitalter von Internet und E-Books noch eine Chance? Firmenchef Makinson ist bemüht, Sorgen zu zerstreuen. „Es ist nichts Cooles daran, eine riesige Menge von E-Books zu haben“, meint er. Die Öffentlichkeit habe weiterhin „eine
Liebesbeziehung zu Büchern, zum physischen Produkt.“ Zwar müssten sich Verlage auf neue Entwicklungen einstellen. Aber: „Wir müssen versuchen, die Attraktivität des physischen Buches weiter zu betonen - das Design, die Druckqualität, den Erfindungsreichtum bei Kinderbüchern. Dort müssen wir weiter investieren.“ (dpa/kor/dan)

BLK-Notizblock

* Internet

Penguin Books

* Orte

Firmensitz, 80 Strand, London


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