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Eine blutige Entführung

Andrea Maria Schenkels Roman „Bunker“ in der Besprechung

© Die Berliner Literaturkritik, 04.03.09

 

FRANKFURT AM MAIN (BLK) – Hannes Hintermeier rezensiert in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Andrea Maria Schenkels Roman „Bunker“. Diese aus den Perspektiven eines Entführers und seines Opfers erzählte Geschichte schildert ein blutiges Verbrechen von seiner Entstehung bis hin zu seiner Auflösung.

Nachdem ein Mann sein weibliches Opfer aussuchte – sie beobachtet hat, in ihre Wohnung eingebrochen ist und ihre Wege ausgekundschaftet hat – entführt er sie an einen abgelegenen Ort in einem Wald. Dieser Mann wurde dort selbst von seinem Vater als Heranwachsender misshandelt. Die Frau wiederum bringt die Entführung in Zusammenhang mit dem Tod an ihrem Bruder und vermutet als ihren Entführer einen Mann, den sie damals beschuldigte, der Mörder des Verwandten zu sein. Die Leben beider Protagonisten sind mehr oder weniger von Gewalt geprägt. Die Frau versucht unterdessen ihren Peiniger mit Unterwürfigkeit, Verführungsangeboten und Selbstverstümmelung zu bestechen, der Mann allerdings gibt ihr das Motiv seiner Tat nicht preis. Die Entführung wird komplexer, nachdem die Frau den Täter dazu überredet, ihren Chef in den Wald zu locken und ihn dort auszurauben.

Für den Rezensenten ist „Bunker“ – nach Schenkels „Tannöd“ und „Kalteis“ der erste selbst ausgedachte Roman – vertrackt und gleichzeitig vorhersehbar. Dieses Werk sei durch eine unerträgliche Naivität der Figurenrede geprägt, so Hintermeier. Auch fehle Tätern, wie Opfern jegliche Empathie von Seiten Schenkels, was die Täter-Opfer-Unterscheidung für den Leser viel zu plump mache. (phi)

Literaturangaben:
SCHENKEL, ANDREA MARIA: Bunker. Edition Nautilus, Hamburg 2009. 125 S., 12,90 Euro.

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