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Ene mene muh und raus bist du!

Der Debütroman „Und morgen bin ich dran. Das Meeting“ von Laurent Quintreau

© Die Berliner Literaturkritik, 20.04.09

 

Laurent Quintreau, Texter und Artdirector beim Werbeunternehmen „Publicis“ hat mit „Und morgen bin ich dran. Das Meeting“ seinen Romanerstling auf den Büchermarkt gebracht. Für sein Debüt wurde er mit dem „Prix du Premier Roman Les Mots Doubs“ ausgezeichnet. Neben seiner Arbeit im Werbeunternehmen ist Quintreau Gewerkschafter beim Französischen Demokratischen Gewerkschaftsbund, schreibt Theaterstücke, veröffentlicht regelmäßig in verschiedenen Zeitschriften und war Mitbegründer der Avantgardezeitschrift „Perpendiculaire“. Seine Beobachtungen und Erfahrungen als Mitarbeiter eines international operierenden Unternehmens haben ihn jetzt wohl dazu veranlasst, ein Buch über die Welt des unschönen und harten Business’ zu schreiben.

Ein Unternehmen, ein Meeting. Das ist die Arena für Laurent Quintreaus Protagonisten in seinem Debütroman. Elf Managerinnen und Manager versammeln sich notgedrungen im Konferenzraum eines internationalen Unternehmens, um über Projekte, Budgets, personelle Umstrukturierungen und operative Gewinne zu referieren. Was folgt, ist die Innensicht jedes der elf Vorstandsmitglieder. Diese offenbart mitunter schlimmste menschliche Charakterzüge. Da träumt der ein oder andere schon mal vom plötzlichen Ableben der Kollegen, etwa durch Herzinfarkt, Grippe oder einem tödlichen Virus. Ja, sogar selbst die Waffe ziehen und den verhassten Kollegen höchstpersönlich auslöschen, scheinen in der Managerwelt nach Quintreau nicht ausgeschlossen. Allerhand Gewalt- und Sexphantasien lässt der Autor aufleben. Neid und Missgunst, pathologischer Durst nach Macht, Falschheit, Überheblichkeit und Geringschätzung gegenüber den Kollegen und Mitarbeitern gehören allesamt zur Ausstattung, die einen richtigen Managercharakter ausmacht.

Aber, auch den intimsten Wünschen und Ängsten jedes einzelnen räumt der Autor noch Platz ein. Was die Meetingteilnehmer beschäftigt sind etwa: Der Wunsch nach Liebe, Kindern und Familie, Attraktivität beim anderen Geschlecht, schmerzende Hämorriden, nostalgische Gedanken an früher, die Zeit des Studierens und der Diplomarbeit über Marx. Manch eine/r muss sich sogar mit dem Tod auseinandersetzen, sei es mit dem Sterben von Familienmitgliedern und dem Ehemann oder der nächtlichen Begegnung mit dem Revolverlauf eines Gangmitglieds. Andere wiederum sorgen sich um ihr Haustier und dessen Wohlbefinden. Und allen ist gemein: die (Un-)Gewissheit über „Und morgen bin ich dran“.

So bastelt Laurent Quintreau dem Leser seine Welt vom Managertum. Aber was der Autor in seinem Debüt schreibt ist nicht neu. Man bekommt bestätigt, was sich der gemeine Arbeitnehmer schon lange denkt: Manager sind machthungrige, unmoralische, intrigante, beinahe seelenlose Menschen. Das Business ist schlecht und verdirbt dem, der dessen Spielregeln einmal akzeptiert hat, den Charakter. Jeder trachtet jedem nach dessen Erfolg und Posten. Das weiß jeder. Allerdings: kann es tatsächlich nicht anders sein? Ist es in der heutigen Geschäftswelt unumgänglich, nur nach dem persönlichen Interesse nach Macht und Geld zu wirtschaften? Man vermag es angesichts der tagesaktuellen Vorfälle, zu lesen in Presse oder zu hören und sehen in Funk und Fernsehen, kaum zu hoffen.

Somit ist Laurent Quintreau mit seinem Debüt ein zeitnahes Portrait der Geschäftswelt gelungen, leicht und in einem Zuge zu lesen. Jedoch schwächelt der Roman aufgrund der nicht neuen Erkenntnisse oder schon vielmals abgearbeiteten Darstellungen. Stereotype Managerfiguren müssen herhalten, um dem Leser die Schlechtheit des großen Business zu erklären. In Anbetracht des doch recht kurzen Romans kein großer Verlust an Aufmerksamkeit, der dabei dem Leser abverlangt wird, aber eben nicht wirklich fesselnd unterhaltend. Was am Ende bleibt ist die schon oft gemachte Feststellung:

„Das Unternehmen der Zukunft ist tadellos, knallhart und unerbittlich, die Schwachen, die Hässlichen, die Dicken, die Alten, die Langsamen und die Idioten haben dort keinerlei Überlebenschance.“

Von Jennifer Riehn

Literaturangaben:
QUINTREAU, LAURENT: Und morgen bin ich dran. Das Meeting, Unionsverlag, Zürich 2009. 192 S., 16,90 €.

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