BERLIN (BLK) — Eine internationale „Künstler-Mauerreise“ des Goethe-Instituts im 20. Jahr des Berliner Mauerfalls hat auch in Jemen Station gemacht. Im Deutschen Haus in Sanaa wurden vor kurzem die ersten Steine von Künstlern gestaltet, teilte das Goethe-Institut jetzt mit. Es hat zum Jubiläum des Mauerfalls Künstler aus aller Welt „zum Nachdenken über ihre Erfahrungen mit Grenzen“ eingeladen und „symbolische Mauersteine“ auf die Reise geschickt. Ziele sind auch Korea, Zypern, China, Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete und andere Orte, „an denen Isolation, Teilung und Grenzerfahrung den Alltag prägen“.
„Wie kann man sich die Mauer durch den Jemen vorstellen?“ hieß die Frage für die beteiligten Künstler in diesem Land. Der Künstler und Filmemacher Ahmed Abdulaziz zersägt ein Ölfass, eine typische Markierung für die Grenze durch sein Land, und montiert es auf den Stein, der die Berliner Mauer symbolisiert. Der Jemen, jahrzehntelang geteilt in den stammesgesellschaftlich geprägten Norden und den sozialistischen Süden, wurde wie Deutschland 1990 wiedervereinigt. Abdulaziz ist einer von acht jemenitischen Künstlern, die ihre Steine für das Mauerreise-Projekt des Goethe-Instituts im Hof des Nationalmuseums in Sanaa präsentierten.
Ab Mitte Juni arbeitet Sok-Yong Hwang, einer der bekanntesten Autoren Koreas, mit zwei bildenden Künstlern an den Mauersteinen im National Museum of Contemporary Art, das an der Grenze zu Nordkorea liegt. Hwang besuchte in den 80er Jahren Nordkorea; den Fall der Berliner Mauer erlebte er bei einem Aufenthalt als Schriftsteller in Berlin. Für seine Reisen nach Nordkorea wurde er bei der Rückkehr in die südkoreanische Heimat zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einer Amnestie für politische Gefangene wurde er als offizieller südkoreanischer Kulturvertreter nach Nordkorea geschickt.
Vom 20. Juni an zeigen 15 Künstler aus Israel, den Palästinensischen Autonomiegebieten und Deutschland in der israelisch-arabischen Stadt Umm el-Fahem eine Ausstellung mit Mauersteinen, die auch „die Herrschaftsbedingungen und Machtverhältnisse in der Region thematisiert“. Zurzeit werden weitere Mauersteine von Studenten der Birzeit Universität Ramallah bearbeitet, die ab dem 5. Juli dort ausgestellt werden sollen.
Danach reist ein Teil der Steine zurück nach Deutschland und steht vom 7. bis 9. November zum „Fest der Freiheit“ neben den in anderen Ländern gestalteten Steinen am Brandenburger Tor. Die andere Hälfte bleibt in Ramallah, um in einer parallel stattfindenden „Domino-Aktion“ im November umgestürzt zu werden. Danach wird ein Teil der gestalteten Steine des Goethe-Instituts im Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn sowie im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig ausgestellt. (dpa/mül/köh)