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Foto-Bonbons von David LaChapelle

Starfotograf David LaChapelle ist vor allem durch knallbunte Motive bekannt, Zurückhaltung ist nicht seine Sache

© Die Berliner Literaturkritik, 21.07.10

Von Martin Moravec

Gisele Bündchen lasziv bei der Gartenarbeit, Kanye West würdevoll als schwarzer Jesus, Britney Spears mit fettigen Hot Dogs: Die digital aufgehübschten Aufnahmen von Starfotograf David LaChapelle sprühen von bonbonbuntem Sex-Appeal. Galante Zurückhaltung überlässt der, nach eigener Aussage, 1969 in Connecticut geborene Amerikaner lieber Künstlern aus der zweiten Reihe. LaChapelle inszeniert seine Kulissen aufwendig, seine Motive springen den Betrachter unvermittelt an, seine Ästhetik orientiert sich an surrealen Träumereien aus Kinderzimmern.

Anlässlich seines 30. Geburtstags hat der Taschen Verlag eine Vielzahl sehenswerter Titel in der Reihe „Golden Books“ noch einmal als Jubiläumsausgaben aufgelegt. Dazu zählt beispielsweise neben „Heaven to Hell“ von LaChapelle, das erstmals 2006 erschien, auch „MoonFire. Die legendäre Reise der Apollo 11“ von Norman Mailer.

„Heaven to Hell“ ist der dritte Band einer Trilogie, die der Zögling Andy Warhols 1996 mit „LaChapelle Land“ begonnen und 1999 mit „Hotel LaChapelle“ fortgeführt hatte.

Mit dem Abschluss dieser Serie hat sich LaChapelle von seinen älteren Arbeiten entfernt. Früher galt ihm die Glamour-Fotografie samt ihrer Idealisierung der Modelle als maßgeblich. In „Heaven to Hell“ zelebriert er den Abschied von einer vergleichsweise unschuldig verführenden Ästhetik. Nun liegen blonde Grazien wie lebloses Fleisch aufgebahrt in Supermarkttheken - und kühlen neben Steaks aus.

LaChapelles Übertreibungen bei Dekor und Inszenierung sind weiter grenzenlos, doch eine ironische Kritik an der Pop-Kultur formuliert er nicht mehr. „Meine Arbeiten sollen ohne große Erläuterungen für sich sprechen“, hat er anlässlich einer Retrospektive 2009 in Paris betont. Mit dieser Haltung eiferte LaChapelle Entdecker Warhol nach, der ihn in der New Yorker Disco „Studio 54“ kennengelernt und ihm einen ersten Foto-Job für sein Magazin „Interview“ gegeben hatte.

Später folgten Aufträge für „Rolling Stone“ oder „i-D“, und auch Arbeiten als Regisseur für Musikvideos von Jennifer Lopez oder Moby. Heute sieht LaChapelle die Zukunft seiner Bilder eher in Galerien, wo sie nicht mehr so leicht zwischen Anzeigen unterzugehen drohen. Und von Popstars als Models wolle er auch mehr Abstand halten.

Emotionale Distanz deutet sich in „Heaven to Hell“ an. LaChapelles provokante Aufnahmen wirken wie die Set-Fotografien von hochkarätig besetzten Pornos. Vulgarität und Zynismus lauten die Schlagworte seiner Ästhetik. In der Glamourwelt wenig zurückhaltende Mannequins wie Pamela Anderson, Lil' Kim oder Paris Hilton sind folgerichtig noch seine liebsten Protagonistinnen.

Ihre Posen eindeutig, ihre Aussagen unwichtig: In „Heaven to Hell“ erscheint LaChapelle nicht mehr wie der „Fellini der Fotografie“ (New York Times), sondern eher wie ein träger Pasolini.

Literaturangabe:

LACHAPELLE, DAVID: Heaven to Hell. Taschen Verlag, Köln 2010. 352 S., 29,99 €.

Weblink:

Taschen Verlag


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