MÜNCHEN (BLK) – Silvia Bovenschens neues Buch „Verschwunden“ trage keinen Gattungstitel, bemerkt die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“). Dadurch sei es ihr zum Einen möglich, etwas vom Leben zu erzählen, „ohne einen Plot generieren zu müssen“. Zum Anderen könne sie „mit ihrer Rolle als Essayistin kokettieren“ und sei doch deutlich mehr als dies, findet die Zeitung.
Die Protagonistin des Buches, Daniela Listmann, sei wie die Autorin an Multipler Sklerose erkrankt und könne „ihre Wohnung nur noch selten verlassen“, schreibt der Rezensent Ijoma Mangold. Listmann bitte ihre Freunde, ihr Geschichten vom Verschwinden zu erzählen, aus denen sie „machen dürfe, was sie wolle“, teilt Mangold weiter mit. Damit habe sie erreicht, dass plötzlich alle begierig darauf sind, „ihr Leben nach ‚geschichtsmächtigen’ Episoden abzusuchen“, glaubt der Rezensent und fügt hinzu, dass Bovenschens Figuren „große Selbst-Artikulierer“ seien. In ihrer Aussprache „nimmt ihre Existenz Form an“.
„Verschwunden“ durchziehe im Tonfall einen Hauch von Botho Strauß’ frühen Stücken, meint die „SZ“, dabei arbeite es „offensiv mit der Fragmentform“. Das Figurenpersonal Bovenschens sei „ein Genuss“ und die gewählte Form des Buches stelle sich als „brillant“ heraus, urteilt die Zeitung. (tan/wip)
Literaturangaben:
BOVENSCHEN, SILVIA: Verschwunden. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008. 166 S., 17,90 €.
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