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Politik und Grass auf der Buchmesse

Grass' 82. Geburtstag und kritische Stimmen zur Politik

© Die Berliner Literaturkritik, 16.10.09

FRANKFURT/MAIN (BLK) - Der dritte Tag der Frankfurter Buchmesse stand im Zeichen der Politik. Neben dem Ehrengast China rückte am Freitag (16.10.) auch Italien in den Blickpunkt. Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Claudio Magris, kritisierte die „Pop-Politik“ in seiner Heimat unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Für die Interessen der Tibeter setzte sich Schauspieler Ralf Bauer ein. Literaturnobelpreisträger Günter Grass las an seinem 82. Geburtstag mit musikalischer Untermalung aus seiner weltweit berühmten „Blechtrommel“, die vor genau 50 Jahren auf der Buchmesse vorgestellt wurde. Am Wochenende ist die Buchmesse nach drei Fachbesucher-Tagen auch für das normale Lesepublikum geöffnet.

Magris, der am Sonntag (18.10.) zum Abschluss der Messe den Friedenspreis in der Frankfurter Paulskirche erhält, kritisierte, dass sich in Italien und auch in Frankreich unter Nicolas Sarkozy die Politik nicht mehr an die klassischen Regeln der Demokratie halte. In einer Demokratie sei es einfach undenkbar, Urteile des Verfassungsgerichts nicht anzuerkennen, sagte der 70-jährige Schriftsteller und Germanistik-Professor über Berlusconi. Das Gericht hatte vor wenigen Tagen dessen Immunität aufgehoben.

In der anhaltenden Diskussion um das Gastland China wehrte sich die offizielle Delegation am Freitag (16.10.) gegen Vorwürfe, ihre Mitglieder dürften westlichen Medien nicht ohne Genehmigung Interviews geben. „Es gibt kein Sprachverbot“, sagte Frank Wöllstein von der Agentur WBCO, die die Pressearbeit der Delegation organisiert. Die Gerüchte seien eine Mischung aus Fehlinterpretationen und Vorurteilen. Die Vorwürfe waren in verschiedenen Medien laut geworden, nachdem etwa Interviews mit chinesischen Autoren äußerst kurzfristig abgesagt worden waren oder Offizielle auf Fragen ohne Begründung schwiegen.

„Tibet ist ein Beispiel für alle Ungerechtigkeiten in der Welt“, sagte der 43-jährige Schauspieler Ralf Bauer. Er präsentierte gemeinsam mit der Tibet Initiative Deutschland (TID) ein Buch der tibetischen Autorin Tsering Woeser über die blutigen Unruhen in Tibet im Frühling 2008. „Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift“ sei das bislang einzige Buch über die Ereignisse, sagte TID-Vorstand Wolfgang Graber.

Für böses Blut sorgte am Freitag ein Krimi um einen „Ehrenmord“ unter Türken. Der Düsseldorfer Droste-Verlag hatte sich geweigert, das Buch zu veröffentlichen, weil es seiner Meinung nach „sowohl den Koran als auch den Islam verunglimpfende und beleidigende Passagen“ enthält. Die Autorin Gabriele Brinkmann, die unter dem Pseudonym W.W. Domsky schreibt, hält das für „vorauseilenden Gehorsam und Selbstzensur“. Am Montag (19.10.) erscheint „Ehre, wem Ehre...“ nun beim kleinen, im ostfriesischen Leer ansässigen Leda-Verlag, der darin „nichts entdecken konnte, was beleidigend wäre“.

Für Aufmerksamkeit ganz anderer Art sorgte Filmemacher Til Schweiger, der unter den bewundernden Blicken vor allem weiblicher Fans sein erstes Kinderbuch vorstellte. „Das meiste hat eigentlich der Klaus gemacht“, sagte der 45-Jährige mit Blick auf den Bilderbuchkünstler Klaus Baumgart, der auch schon den Kinderbuchbestseller „Lauras Stern“ entwickelte. „Keinohrhase und Zweiohrküken“ ist das Buch zu Schweigers Kinohit „Keinohrhasen“ und der Fortsetzung „Zweiohrküken“, der im Dezember in die Kinos kommt.

Um den Deutschen Cartoonpreis hatten sich in diesem Jahr so viele Zeichner beworben wie noch nie. Aus 300 Einsendungen zum Thema „Geld spielt keine Rolle“ gefiel der Jury das Bild von Frank Hoppmann aus Münster am besten. Auf seiner Zeichnung ruft ein Bankräuber: „Dies ist kein Überfall!! Ich übe nur für bessere Zeiten!!“ Dafür erhielt er den mit 1.000 Euro dotierten ersten Preis. (dpa/gai)

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