BERLIN/LÜBECK (BLK) - Die Staatssicherheit der DDR hat den Einfluss des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass auf DDR-Autoren nach dessen eigener Auffassung extrem überschätzt. Die Stasi habe Angst gehabt, dass er DDR-Autoren zur Übersiedlung in den Westen überreden werde, sagte Grass am Freitag (5.3.) dem Radiosender Deutschlandradio Kultur. Das sei aber nicht sein Interesse gewesen. Ihm sei vor allem der Fortbestand Deutschlands als Kulturnation wichtig gewesen, sagte der in der Nähe von Lübeck lebende Literaturnobelpreisträger. Am 8. März erscheint eine Dokumentation zu den Stasi-Akten über Günter Grass.
Nach Grass’ Angaben spiegelt sich in seiner Stasi-Akte ein Stück deutsch-deutscher Kulturgeschichte. „Es geht nicht nur um meine Person, sondern um das, was verhandelt wurde, was streitbar verhandelt wurde, und was ignoriert wurde, übrigens auf beiden Seiten“, sagte Grass dem Radiosender.
Die Überwachung von Grass begann nach Protestbriefen von ihm gegen den Mauerbau im August 1961 und dauerte bis weit ins Wendejahr 1989. „Die haben sich mir gegenüber verhalten, als sei ich der Leibhaftige gewesen“, sagte Grass. Nach seinen Worten hat er sich jahrelang geweigert, Einsicht in die Akten zu nehmen, weil er nachweisbar keinen unmittelbaren Schaden erlitten habe. Man habe ihm inzwischen signalisiert, dass noch nicht alle Dokumente gefunden worden seien, sagte der Schriftsteller. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte Grass gesagt: „Der Umfang der Bespitzelung war uns, die wir meist zu mehreren aus West-Berlin einreisten, nicht bewusst.“ (dpa/kör)