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Henning Mankell feiert den 60. in Afrika: Theater und ein großes Fest

16 Millionen Mankell-Bücher sind bisher in deutscher Übersetzung verkauft worden

© Die Berliner Literaturkritik, 02.02.08

 

Von Thomas Borchert

STOCKHOLM / MAPUTO (BLK) – „Keine Zeit, wir proben gerade“ lautet Henning Mankells knappe Telefonauskunft aus dem fernen Maputo auf die Frage nach den Vorbereitungen zu seinem 60. Geburtstag. Zum „runden“ am Sonntag (3. Februar 2008) kommen Angehörige und Freunde aus Schweden in die Hauptstadt von Mozambik. Der Erfolgsschriftsteller will zum Geburtstag die Premiere seiner Inszenierung von Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ am eigenen „Teatro Avenida“ präsentieren. Und verspricht danach ein „großes Fest“.

Dass der Autor der Krimiserie mit Kommissar Kurt Wallander im siebten Lebensjahrzehnt kürzertreten und sich nach weltweit 25 bis 30 Millionen verkauften Büchern ausruhen will, kann ausgeschlossen werden. In Maputo, wo Mankell seit mehr als zwanzig Jahren seine zweite Heimat hat und einen Teil des Jahres verbringt, will er eine Theaterschule in Gang bringen. Im März tritt der bekennende Sozialist im schwedischen Örebro bei einem Kongress über die Rechte von Kindern auf. Ende Mai bekommt er in Wien bei einem Galafest die „Goldene Feder“ des Bauer-Verlages verliehen.

Mit Kollegen wie dem Brasilianer Paulo Coelho sowieso Musikern und anderen Künstlern will Mankell als „Botschafter für das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs“ den Kontinent bereisen, um für Toleranz und eben „Multikulti“ zu werben. Dazwischen findet er immer noch Zeit für Lesungen in Städten wie Münster und Bielefeld. Vorgestellt wird hier sein neues Buch „Der Chinese“, ein Polit-Thriller der es in sich hat: Im kleinen schwedischen Hudiksvall werden 18 Menschen bestialisch ermordet. Die Ermittlungen führen eine auf eigene Faust fahndende Richterin bis in die Spitze der chinesischen Regierung.

16 Millionen Mankell-Bücher sind bisher in deutscher Übersetzung verkauft worden, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Der Schwede hat die Serie mit dem immer zu dicken und im Privatleben eher gescheiterten Wallander nach neun Romanen abgeschlossen, danach aber auch schon einen Krimi mit dessen Tochter Linda im Zentrum vorgelegt.

Der Kommissar selbst lebt als Vorlage für immer mehr TV-Verfilmungen weiter. Nach den Schweden und ARD sowie ZDF hat nun auch das britische BBC mit stolzer eigener Krimi-Tradition „Wallander-Blut“ geleckt. Filmstar Kenneth Brannagh (47) soll den Kripomann in einer dreiteiligen Serie spielen. Drehort wird wie auch schon in der ZDF-Serie das südschwedische Ystad. Brannagh meint über die Qualitäten von Mankells berühmtester literarischer Figur: „Er ist so wunderbar komplex und gleichzeitig unwiderstehlich.“

Ähnlich begeistertes Lob hat Mankell nicht immer für seine künstlerischen Aktivitäten außerhalb des Krimi-Genres geerntet. Er hat historische Romane und Kinderbücher geschrieben, das Elend von Aids-Kranken in Afrika geschildert und sozialkritische Theaterstücke verfasst. „Als Krimiautor kann er überzeugen, als Theaterautor nicht“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über das Mankell-Stück „Dunkles Brot und tote Blumen“.

Allerhöchstes Lob erhielt der Autor zuletzt von einem noch viel berühmteren Landsmann. Ingmar Bergman hätten die Wallander-Krimis gefallen, berichtete Mankell, als der Meisterregisseur im letzten Juli im Alter von 89 Jahren auf der Ostseeinsel Fårö gestorben war. Seit 1998 ist Mankell in dritter Ehe mit der Theaterregisseurin und Bergman-Tochter Eva (62) verheiratet. Nach dem Tod des in aller Welt verehrten Filmemachers fungierte der stets für Medienbedürfnisse offene Mankell, obwohl er spät eingeheiratet, als „Sprecher“ für die neun Bergman-Kinder.

Im Herbst hat Henning Mankell ein bisschen Durchatmen eingeplant, wie er schwedischen Journalisten verriet. Dann will er ein Geburtstagsgeschenk an sich selbst einlösen, Südamerika bereisen und sich vom Schiff aus die Antarktis anschauen.


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