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Hochhuth will Grab des umstrittenen Dichters von Scholz erhalten

Vorwurf der Distanzlosigkeit zu Nationalsozialisten

© Die Berliner Literaturkritik, 29.02.08

 

KONSTANZ / BERLIN (BLK) – Der Dramatiker Rolf Hochhuth will die Konstanzer Grabstätte des umstrittenen Dichters Wilhelm von Scholz (1874-1969) erhalten. Das Berliner Theater am Schiffbauerdamm, das heutige Berliner Ensemble, werde die Kosten für die Pflege des Grabes auf unbegrenzte Zeit übernehmen, kündigte Hochhuth heute (29. Februar 2008) in Berlin an. Der Konstanzer Gemeinderat hatte am Donnerstagabend (28. Februar 2008) beschlossen, die letzte Ruhestätte des Dichters einzuebnen. Hochhuths Ilse-Holzapfel-Stiftung ist Besitzerin der Grundstücksimmobilie des Berliner Ensembles. Von Scholz’ Stücke wie „Der Jude von Konstanz“ seien am Berliner Theater am Schiffbauerdamm gespielt worden, betonte Hochhuth.

Der gebürtige Berliner Wilhelm von Scholz war mit seiner Familie Ende des 19. Jahrhunderts nach Konstanz gekommen. In dem Familiengrab ist auch sein Vater Adolf von Scholz beerdigt, Finanzminister unter Bismarck. Der Sohn, von 1926 bis 1928 Präsident der preußischen Akademie der Dichtung, schrieb Gedichte, Romane, Novellen und Theaterstücke. Seine Werke sind heute kaum noch bekannt.

Die Zukunft der Grabstätte des Dichters hatte in Konstanz, wo eine Straße nach ihm benannt ist, in den vergangenen Wochen eine heftige Debatte ausgelöst. Kritiker werfen von Scholz vor, sich von der Politik der Nationalsozialisten nicht distanziert, sondern davon profitiert zu haben. Einige Gemeinderäte hatten sich für einen Ort der Erinnerung ausgesprochen, um die Diskussion über die Vergangenheit aufrechtzuerhalten. Der Vorschlag hatte jedoch keine Mehrheit im Stadtparlament gefunden. (dpa/mar)


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