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„Ich verführe nicht, ich offenbare“ – Albert Camus in seinen Tagebüchern

Albert Camus’ Tagebuchsammlung „NOTEBOOKS“ macht Furore

© Die Berliner Literaturkritik, 26.06.08

 

NEW YORK (BLK) – Richard Eder schreibt in der „New York Times“ („NYT“) Albert Camus mache es sich in seinen „NOTEBOOKS“ nicht einfach. In seinen politischen Ansichten sei Albert Camus (1913-1960) immer dem Kommunismus nahe gewesen und mit diesem setze er sich in „NOTEBOOKS“ auch auseinander, schreibt Eder.

Jedoch sei es nicht die politische Orientierung des Tagebuchautors, die den Leser an die Lektüre binde, erklärt der Rezensent, sondern der Leser sei vielmehr von der Tiefgründigkeit der Persönlichkeitsstudie Camus’ beeindruckt. Die Freude am Schreiben könne zwischen den Zeilen gelesen werden. Eine der schönsten Passagen sei die, in der Camus frei und einfühlsam italienische Städte und Landschaften beschreibe, begeistert sich Eder. „Die Weite der Landschaft ist so erstaunlich, die Stille so absolut, dass der Fuß es bereut, einen Stein angestoßen zu haben“, heißt es in „NOTEBOOKS“.

Camus schreibe mitreißend von seinen ambivalenten Gefühlen zwischen Glück und Depression, nachdem er 1957 den Nobelpreis für Literatur gewann. Don Juan sei immer ein faszinierendes Sinnbild seiner sexuellen Anschauungen gewesen, berichtet der Rezensent. „Ich verführe nicht, ich offenbare“, schreibt Camus in seinen Tagebüchern. Entscheidend für Camus’ Persönlichkeitsbild sei nicht seine soziale Herkunft, sondern sein außergewöhnliches Temperament und seine Lebensfreude, schreibt Eder anerkennend. (lea/wip)

Literaturangaben:
CAMUS, ALBERT: NOTEBOOKS. 1951-1958. Übersetz von Ryan Bloom. Ivan R. Dee Publisher, New York 2008. 264 S., $ 27.50.

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