MOSKAU (BLK) — Der Autor Ilija Trojanow (43, „Der Weltensammler“) hat den deutschen Volksparteien „Versagen bei der dringend nötigen Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft“ vorgeworfen. „Ich bin verdrossen über diese kleinkarierten Egomanen, denen jeder größere Entwurf fehlt“, sagte Trojanow bei einer Veranstaltung des Goethe-Instituts Moskau der Deutschen Presse-Agentur dpa. Besonders wütend sei er über die „wachsende Durchdringung“ des Privatlebens durch den Staat mit dem Argument des Terrorkampfes. „Das im August erscheinende Buch ‚Angriff auf die Freiheit’, das ich mit Julie Zeh geschrieben habe, ist ein Protest gegen diese Einschränkung der Bürgerrechte.“
Die Reaktion seines Geburtslandes Bulgarien auf die umstrittene Installation „Entropa“ der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft nannte Trojanow „unreif“. Sofia hatte protestiert, dass das Land von dem Prager Künstler David Cerny dort als Hock-Klo dargestellt wird. „Das ist eine unsichere und verzweifelte Geste auf eine lustige Provokation.“ Deutschland habe sich nicht beschwert, obwohl das Land als Autobahnnetz dargestellt werde, das an ein Hakenkreuz erinnere. „Da zeigt sich eine gewisse Reife. Insofern sind die Umstände in Bulgarien tatsächlich etwas kloakenmäßig.“ Auf Druck Sofias war am EU-Ratsgebäude in Brüssel das Detail mit einem Tuch verdeckt worden. (dpa/mül/köh)