FRANKFURT AM MAIN (BLK) - Der Lyriker und Leiter des Hessischen Literaturforums, Werner Söllner, hat nach eigenen Angaben früher mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate zusammengearbeitet. Er sei unter Drohungen des Geheimdienstes von 1971 bis 1974 zum „IM (inoffiziellen Mitarbeiter) wider Willen“ geworden, sagte Söllner der Deutschen Presse-Agentur dpa am Donnerstag (10.12.). Der 58-Jährige wies zugleich einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zurück, wonach er die ebenfalls aus Rumänien stammende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller bespitzelt habe.
Söllner hatte in München auf einer Tagung über die deutschsprachige Literatur in Rumänien eine öffentliche Erklärung über seine Kooperation mit der Securitate abgegeben. Er habe sich dazu nach langer Überlegung entschlossen, nachdem ihn der Autor Richard Wagner vor einem Jahr angesprochen hatte. Wagner, der frühere Ehemann Herta Müllers, hatte Informationen seiner inzwischen veröffentlichten Securitate-Akte mit Söllner in Verbindung gebracht.
Söllner war 1971 nach eigenen Angaben mit der Exmatrikulation von der Universität bedroht worden. „Ich habe niemanden ans Messer geliefert, niemand ist ins Gefängnis gekommen oder hat seinen Arbeitsplatz verloren. Aber geschadet hat es natürlich“, sagte der Lyriker zu den an Securitate gelieferten Informationen. Söllner, der 1982 in die Bundesrepublik kam, hat für seine stark von Paul Celan beeinflussten Gedichte mehrere Preise erhalten. Seit 2003 leitet er das Hessische Literaturforum. Das als Verein organisierte Forum veranstaltet unter anderem Lesungen und wird von der Stadt Frankfurt und vom Land Hessen gefördert.
Seinen Arbeitgeber habe er bereits vor seiner Erklärung in München über seine Arbeit für die Securitate informiert, sagte Söllner. Die Vorsitzende des Literaturforums, die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, sicherte am Donnerstag dem Lyriker ihre uneingeschränkte Rückendeckung zu. Das Bekenntnis Söllners, der sich wegen der damaligen Vorgänge sehr gequält habe, sei mutig und verdiene Respekt. „Was er getan hat, ist wirklich vergleichsweise marginal, zum Teil absolut lächerlich“, sagte Demski der dpa. „Es gibt in diesem ganzen Emigrantenzirkel wahrscheinlich keinen einzigen Engel mit schneeweißen Flügeln.“ (dpa/olb)