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Seethalers „Jetzt wirds ernst“

Seethaler trifft zeitlos den Ton der jungen Generationen und wirkt dabei nicht moralisierend, sondern natürlich

© Die Berliner Literaturkritik, 11.08.10
Robert Seethaler © Achim Hehn

Robert Seethaler (Foto: © Achim Hehn)
Literaturangabe:
Seethaler, Robert : Jetzt wirds ernst.
Kein & Aber, Zürich 2010. 303 S., 19,90 €.

Von Frauke Kaberka

Das Leben ist ein einziger Kampf. Und der beginnt schon bei der Geburt. Wie sich der Held aus Robert Seethalers neuem Roman „Jetzt wirds ernst2 gegen den Rausschmiss aus dem mütterlichen Bauch wehrt, wie er als winziger Knirps ein Theaterstück schmeißt, wie er die Schule und die Pubertät übersteht und wie er schließlich Schauspieler wird, das hat der in Berlin und Wien lebende Autor in so herzerfrischender Weise geschrieben, dass nur ein Fazit gezogen werden kann: Das Leben ist schön. Und das trotz aller Widrigkeiten und traurigen Erlebnisse.

So verliert der Junge, dessen Name nicht genannt wird, schon früh seine Mutter. In der Schule köpft er aus Frust und Versehen den steinernen Begründer der Lehranstalt. Fortan gilt er als Sonderling, dessen Status neue Nahrung erhält, als er von einer Mitschülerin in einer Turnhalle fast vergewaltigt und dabei natürlich beobachtet wird. In sein Paria-Dasein dringt einzig Max ein - aber auch das nicht gänzlich ohne Komplikationen. Immerhin besiegeln die beiden ihre Blutsbrüderschaft mit dem Austausch blutigen Nasensekrets – nach einer Prügelei.

Das ambivalente Verhältnis des Jungen zum Theater beginnt im Kindergartenalter. Den guten Helden Kasper in einem Puppenspiel mag er nicht, wohl aber dessen Widerpart, den bösen Zauberer. Und so verleiht der Junge dem Stück eine ganz neue Wendung. Später, in der Schule, meldet er sich in der Theatergruppe an, einzig, weil er in Lotte verknallt ist, die dort die Nina in Tschechows „Möwe“ spielt. Und schließlich schmeißt er die Lehre im väterlichen Friseursalon, um bei Irina und Janos die Schauspielerei zu lernen. Vom Kurzauftritt in einem Fernsehfilm, aus dem dann doch nichts wird, bis hin zum Abschied von der Provinzbühne und seinem Aufbruch zu neuen Ufern, ist es das reinste Lesevergnügen.

Der mehrfach preisgekrönte Seethaler hat „Jetzt wirds ernst“ mit ganz leichter Feder geschrieben und dabei das Kunststück fertig gebracht, alle Unzulänglichkeiten, die das Leben so mit sich bringt, besonders wirkungsvoll darzustellen. Die Erkenntnis, dass all das, was man sich schwer erarbeiten muss, umso wertvoller ist, kommt glücklicherweise nicht moralisierend, sondern ganz natürlich und selbstverständlich an. Seethaler trifft zeitlos den Ton der jungen Generationen, und der ist hier lakonisch und weise.

Literaturangabe:

SEETHALER, ROBERT: Jetzt wirds ernst. Kein & Aber, Zürich 2010. 303 S., 19,90 €.

Weblink:

Kein & Aber


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