Werbung

Werbung

Werbung

Klaus Modicks neuer Roman „Sunset“

Gar eine Hommage an Feuchtwanger

© Die Berliner Literaturkritik, 24.03.11

MODICK, KLAUS: Sunset, Eichborn, Frankfurt 2011. 191 S., 18,95 €.

Von Andreas Heimann

Mit Lion Feuchtwanger beschäftigt sich Klaus Modick schon seit Jahrzehnten, nun hat er einen Roman über ihn geschrieben: „Sunset“ lautet der vieldeutige Titel - „Sonnenuntergang“ oder auch „Lebensabend“. Das Buch beginnt aber mit einer Szene aus den frühen Stunden des Tages, als der Morgennebel noch zwischen Himmel und Meer gähnt: Lion Feuchtwanger macht Gymnastik im Exil an der kalifornischen Pazifikküste. Bei den Kniebeugen spürt er ein Stechen, bei den Liegestützen wird es noch heftiger. Am Schluss des Romans ist er tot, gestorben an Magenkrebs.

Zurück nach Deutschland hat er es nicht mehr geschafft, ein Exilantenschicksal wie viele andere und doch ein besonderes - eines, das ein Buch verdient. Klaus Modick hat über Feuchtwanger promoviert, und der jüdische Autor, der vor den Nazis erst nach Südfrankreich und dann in die USA fliehen musste, hat ihm schon immer imponiert. „Sunset“ ist eine Hommage an den klugen, gebildeten Schriftsteller, der unbeirrt an seinen ebenso umfangreichen wie erfolgreichen Werken weiterarbeitete, den Nazis genauso zum Trotz wie dem Gesinnungsterror der McCarthy-Ära in den USA.

Das Thema ist nicht neu: Michael Lentz beispielsweise hat den deutschen Schriftstellern in Kalifornien seinen dicken Roman „Pazifik Exil“ gewidmet. Lion Feuchtwanger ist dort eine der wichtigsten Figuren. Aber Klaus Modick behandelt das Thema ungleich eleganter, erzählt die Geschichte konzentrierter und überzeugender. Modick stellt Feuchtwangers lange Freundschaft zu Bertolt Brecht in den Mittelpunkt, den Feuchtwanger unterstützte, seit er den jungen, wilden und damals noch unbekannten Dichter und Dramatiker in München kennengelernt hatte.

Zu Beginn des Romans erreicht ihn ein Telegramm aus Ost-Berlin: Brecht ist gestorben, Johannes R. Becher, der Kulturminister der DDR, bittet Feuchtwanger Anfang August 1956 zur Beerdigung zu kommen. Modick nimmt das als Ausgangspunkt, die Geschichte der beiden so unterschiedlichen Schriftsteller Revue passieren zu lassen, die sich im Exil wieder begegnen. Modick beschreibt ihre Beziehung mit viel Humor: Feuchtwanger wird bei ihm zum väterlichen Mentor, der Brecht auch mal den Kopf wäscht, wenn der es mit seinen Frauengeschichten übertreibt, oder ihn ins Bordell einlädt, um ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Brecht, in den USA chronisch erfolglos, erscheint als übellauniger Egomane, der sich oft Geld leiht, es aber selten zurückzahlt und aus jedem Einfall ein Drehbuch machen möchte. Nicht jedes Detail, nicht jeder Dialog ist authentisch, aber Modick orientiert sich an den Fakten - und an Feuchtwangers Werken.

Unterstützen Sie dieses Literaturmagazin: Kaufen Sie Ihre Bücher in unserem Online-Buchladen - es geht ganz einfach und ist ab 10 Euro versandkostenfrei! Vielen Dank! 

In einem der letzten Kapitel verabschiedet sich Brecht von Feuchtwanger am Tag, bevor er nach Washington reisen soll, um sich den Befragungen zu stellen, bei denen McCarthy und die Seinen alle diejenigen ausquetschten, die „unamerikanischer Umtriebe“ verdächtigt wurden. Brecht hatte da längst beschlossen, die USA zu verlassen. Feuchtwanger blieb - bis zu seinem Tod am 21. Dezember 1958.

Seine Frau Marta bekam am Tag darauf die Nachricht, amerikanische Staatsbürgerin werden zu dürfen. Feuchtwanger war ein Heimatloser geblieben, der so recht keinem Land gehörte, nur der Literatur. Klaus Modick hat darüber ein eindrucksvolles Buch geschrieben, eines, das dem Leser keine Mühen abverlangt und ihn en passant noch einiges lernen lässt über Brecht und Feuchtwanger, über Literatur und das Exil der Literaten im Zweiten Weltkrieg.

Weblink: Eichborn


Bookmark and Share

BLK mit Google durchsuchen: