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Krimi-Trilogie

In „Dunkle Schuld“ findet ein Eremit zurück in die Gesellschaft

© Die Berliner Literaturkritik, 13.09.10

MÜNCHEN (BLK) – Der erste Teil der Turner-Trilogie „Dunkle Schuld“ (Originaltitel Cypress Grove) wurde im Juli 2009 im Heyne Verlag veröffentlicht und von Jürgen Bürger übersetzt. Der zweite und dritte Teil, die Romane „Cripple Creek“ und „Salt River“ folgen demnächst.

Klappentext: Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bauer. Eigentlich hatte sich Ex - Cop Turner in das kleine Provinzkaff Cypress Grove zurückgezogen, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Doch als der unerfahrene Sheriff des Ortes mit einem Ritualmord konfrontiert wird, bittet er den Außenseiter um Hilfe. Ein Mann wurde gepfählt und als gekreuzigte Vogelscheuche aufgebaut. Turner nimmt die Ermittlungen auf und gewinnt nicht nur neue Freunde, sondern muss sich letztlich auch seiner Vergangenheit und damit sich selbst stellen. Deutscher Krimipreis-Träger 2008.

Bereits während des Studiums veröffentlichte James Sallis erste eigene Texte, darunter der Prosa-Gedichtband „A few last words“. Durch seine 6teilige Reihe über den schwarzen Privatdetektiv Lew Griffin errang er erstmals Aufmerksamkeit im Literaturmetier. 2008 erhielt der 1944 in Arkansas geborene Schriftsteller für die deutsche Übersetzung seines Romans „Drive“ den Krimipreis.(ros/kum)

Leseprobe:

©Heyne Verlag©

Den Jeep hörte ich schon, als er noch eine halbe Meile entfernt war. Er kam um den See herum, und als er die Biegung erreichte, ergriffen Vögel die Flucht. Sie stiegen aus den Bäumen auf, senkrecht in die Luft, und dann, als wären sie von einem heftigen Windstoß erfasst worden, schwenkten alle auf einmal unvermittelt scharf nach rechts. Die meisten dieser Bäume standen dort seit vierzig oder fünfzig Jahren. Die meisten der Vögel waren weniger als ein Jahr hier und würden auch nicht viel länger bleiben. Ich befand mich irgendwo dazwischen. Ich beobachtete den Jeep, als er zwischen den Bäumen auftauchte und der Fahrer auf dem langen Hang zur Hütte hinab in den dritten Gang schaltete. Das Nachmittagslicht auf dem See verwandelte ihn in Stanniolpapier. Kaum ein Laut. Ein hohes, leises Summen des gut gewarteten Motors. Von Zeit zu Zeit das Rascheln trockener Blätter, wenn der Wind sie ergriff und sie an den Bäumen wie Glocken zu klingen versuchten. Er hielt einige Meter entfernt an, unter dem Pekannussbaum. Die Schalen seiner Nüsse waren so hart, dass man sie brutal zertreten musste, um an einen halben Teelöffel ihres Inneren zu gelangen. Ich schwöre, dass die Eichhörnchen sie zum Knacken hübsch aufgereiht unter den Autoreifen ablegten und dann in der Nähe herumlungerten und warteten. Der Fahrer stieg aus dem Jeep und blieb daneben stehen. Er trug graue Arbeitskleidung von Sears, altmodische Gummistiefel, oben ganz weit, und einen dem Aussehen nach teuren Hut, der allerdings eher weiter unten im Südwesten zu Hause gewesen wäre. Mit verschränkten Armen lehnte er sich gegen die Fahrertür und blickte sich um. Die Leute hier in der Gegend bewegen sich nicht schnell. Sie wachsen auf mit dem Respekt vor dem Heim anderer Leute, ihrem Land und ihrem Privatleben, vor das Linien welcher Art auch immer gezogen worden sein mögen, manche davon unsichtbar. Auch mit Respekt vor der Geschichte des Ortes. Sie schleichen sich ran, wie man hier sagt, nähern sich behutsam. Vielleicht war das der Grund, warum ich hier war. "Guten Nachmittag", sagte er und hob auf der letzten Silbe leicht die Stimme, so dass seine Äußerung als Beobachtung, Begrüßung, Frage aufgefasst werden konnte. "Das sind sie alle." Er nickte. "So ist das. Selbst der schlechteste, hier in Gottes eigenem Land ... Ich hoffe, ich störe nicht." Ich schüttelte den Kopf. "Gut. Das ist gut." Er stieß sich von der Tür ab, drehte sich um, griff in den Wagen, die Hand kam mit einer Papiertüte zum Vorschein. "Sieht aus, als wäre da oben auf der Veranda Platz für uns beide." Den Jeep hörte ich schon, als er noch eine halbe Meile entfernt war. Er kam um den See herum, und als er die Biegung erreichte, ergriffen Vögel die Flucht. Sie stiegen aus den Bäumen auf, senkrecht in die Luft, und dann, als wären sie von einem heftigen Windstoß erfasst worden, schwenkten alle auf einmal unvermittelt scharf nach rechts. Die meisten dieser Bäume standen dort seit vierzig oder fünfzig Jahren. Die meisten der Vögel waren weniger als ein Jahr hier und würden auch nicht viel länger bleiben. Ich befand mich irgendwo dazwischen. Ich beobachtete den Jeep, als er zwischen den Bäumen auftauchte und der Fahrer auf dem langen Hang zur Hütte hinab in den dritten Gang schaltete. Das Nachmittagslicht auf dem See verwandelte ihn in Stanniolpapier. Kaum ein Laut. Ein hohes, leises Summen des gut gewarteten Motors. Von Zeit zu Zeit das Rascheln trockener Blätter, wenn der Wind sie ergriff und sie an den Bäumen wie Glocken zu klingen versuchten. Er hielt einige Meter entfernt an, unter dem Pekannussbaum. Die Schalen seiner Nüsse waren so hart, dass man sie brutal zertreten musste, um an einen halben Teelöffel ihres Inneren zu gelangen. Ich schwöre, dass die Eichhörnchen sie zum Knacken hübsch aufgereiht unter den Autoreifen ablegten und dann in der Nähe herumlungerten und warteten.

©Heyne Verlag©

Literaturangabe:

SALLIS, JAMES: Dunkle Schuld. Heyne Verlag, München 2009. 304 S., 8,95 €.

Weblink:

Heyne Verlag


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