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Kurz vorgestellt: Belletristische Neuerscheinungen

© Die Berliner Literaturkritik, 01.11.10

Debüt: Widersprüchliche Gefühle eines jungen Mannes

Weiter als bis zum Grußkartentexter hat es der fast 30 Jahre alte James in New York nicht gebracht. Kein Wunder, dass er sich nicht wirklich auf die Rückkehr zu seiner Familie in Buffalo freut. Doch Thanksgiving steht vor der Tür und damit ein Treffen mit den alten Kumpels und ihrem Gerede über Autos und Alkohol, mit dem schweigsamen Vater und der wegen ihrer Demenz im Heim lebenden Mutter. Greg Ames erzählt in seinem Debütroman „Der bisher beste Tag meines Lebens“ in erfrischendem Ton von den widersprüchlichen Gefühlen eines jungen Mannes, der einst ausgezogen war voller Sehnsucht nach einem „zügellosen Leben“ mit Drogen und Sex und angekommen ist im mittelmäßigen Einerlei des Erwachsenenalltags. Jetzt endlich ringt er sich dazu durch, etwas Entscheidendes zu tun. Der New Yorker Autor des Buches hat sich bisher mit Kurzgeschichten einen Namen gemacht. – Greg Ames: Der bisher beste Tag meines Lebens, Steidl Verlag, Göttingen, 327 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-8693-0178-5

Neues von Lale Akgün

Ihre eigenen Erfahrungen als Bundestagsabgeordnete hat Lale Akgün in ihre amüsanten Crossover- Geschichten vom „Getürkten Reichstag“ einfließen lassen: Als Lale ins Berliner Parlament einzieht, begleiten sie die Neugier und die Anteilnahme der Sippe um Tante Semra auf Schritt und Tritt. Nach ihrem Bestseller „Tante Semra im Leberkäseland“ erzählt Akgün erneut heitere Episoden aus einer „stinknormalen türkischen Familie, die schon ziemlich lang in Deutschland lebt“, von Menschen also, die zu bezeichnen anderen oft schwer fällt: „Sollen sie <Deutschtürken> sagen oder <Türken in Deutschland> oder lieber <Menschen mit Migrationshintergrund>?“ Diese und andere Unsicherheiten räumt die studierte Medizinerin, Psychologin und Völkerkundlerin Akgün augenzwinkernd aus der Welt. – Lale Akgün: Der getürkte Reichstag, Krüger Verlag, Frankfurt, 256 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-8105-0121-9

„Das verborgene Netz“: Kommissarin Boni im Einsatz

Man merkt Oliver Bottinis Krimis an, dass sich der Autor beim Schreiben Zeit genommen hat: Den bisher vier Fällen, mit denen sich seine Freiburger Romankommissarin Louise Boni zu befassen hatte, hat er nun einen fünften hinzu gefügt. In „Das verborgene Netz“ wird ein Mann zusammengeschlagen, der Täter entkommt unerkannt. Für Boni ist es ein besonders beunruhigender Fall: Der Täter scheint ein Profi zu sein, das Opfer ein Geheimdienstspitzel, die einzige Zeugin weiß mehr, als sie sagt, und im Hintergrund agiert der Verfassungsschutz, verweigert aber die Kooperation. Aus diesen Komponenten webt Bottini - dramaturgisch versiert und sprachlich ausgefeilt - eine spannende Handlung, die die Fans seiner Krimis nicht enttäuschen wird. – Oliver Bottini: Das verborgene Netz, Scherz Verlag, Frankfurt, 320 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3- 5021-1055-2

„Die russische Herzogin“: Zarennichte Wera

Ihre Leserinnen mögen die blumenreiche Sprache in Petra Durst-Bennings historischen Romanen. Mit der „russischen Herzogin“ hat die Bestsellerautorin („Die Silberdistel“) ihren zwölften Roman vorgelegt, und wieder steht eine starke Frauenfigur im Mittelpunkt. Die Zarennichte Wera kommt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Kind an den württembergischen Königshof und findet in ihrer Tante Olga, der späteren Königin von Württemberg, eine geduldige Ersatzmutter. Weit weg von St. Petersburg, im kleinen beschaulichen Stuttgart, findet die junge Frau schließlich ihr Glück. Noch ahnt sie nicht, dass es nicht von langer Dauer sein wird. Wenn noch im letzten Roman „Die Zarentochter“ das prunkvolle, für Prinzessinnen allerdings auch unfreie Leben am Zarenhof geschildert wurde, verlegt Durst-Benning nun den Schauplatz ihrer gut recherchierten Geschichte ins bescheidenere, dafür aber sicherere Schwabenland. – Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin, List Verlag, München, 508 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-4713-5028-7


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